BMW R1200RT LC - die ersten 1.500 km

 

 

Redaktionsstand: 04.04.2018

 

 

Tja Leute, was soll ich sagen?

Es ist passiert! Die Pan "Rote Daisy" ist weg und jetzt steht sie im Stall -

 

die BMW R1200RT LC, Bj 2017

 

Sie hört auf den schönen Namen "Schwarzbunte Q"

Inzwischen kennen wir uns seit 2.500 km und ich traue mich, ein Statement zu ihr im Vergleich zur Honda Pan-European ST1300 abzugeben.

 

Motiv für den Wechsel:

Die bisher gefahrene Honda Pan-European ST1300 passte für mich und auch für meine Lieblingssozia wie "unter den Popo konstruiert". Ich war mit diesem Motorrad in allen Belangen äußerst zufrieden, ja, sogar glücklich.

Davon gab es eine einzige Ausnahme: Die Pan wurde mir mit nachlassender eigener körperlicher Leistungsfähigkeit zu schwer. Folglich habe ich schon seit längerem nach leichteren tourentauglichen Motorrädern geschielt und bin nun bei der ca. 60 kg leichteren R1200RT gelandet.

 

Fahrwerk und Agilität:

Damit bin ich schon beim Thema "Fahren mit der BMW" angelangt. Und das ist - dies muss der Neid den BMW-Konstrukteuren lassen - über jeden Zweifel erhaben! Das Mindergewicht gegenüber der Pan, kombiniert mit dem grandiosen aufpreispflichtigen "Dynamic ESA"-Fahrwerk ist eine Schau und entlockt auch einem Durchschnittsfahrer wie mir ungewohnte Fähigkeiten und enormes Zutrauen zum Motorrad, das auf laufrichtungsgebundenen Alu-Gussrädern rollt.

Kurvenwedeln? - mit Vergnügen, Volldampf auf der Autobahn? - stoisch gelassen, Bodenwellen/Rüttelpiste? - Einstellung "SOFT" und gut ist!

Motor/Getriebe/Kardan:

Von den Daten her, sind 125 PS (7.750 U/min) und 125 Nm (6.500 U/min) nahezu identisch mit der ST1300. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

 

Der Motor (erfüllt EURO4) startet etwas unwilliger als von der Pan gewohnt und schüttelt das Motorrad in kaltem Zustand ordentlich durch. Bei warmer Maschine wird das besser - aber absolut kein Vergleich zum V4 der Honda.

Leistungsentfaltung! Was für eine Leistungsentfaltung? In meiner Ausstattung verfügt das Motorrad über die Fahrmodi "RAIN" (logo: Einstellung für nasse Fahrbahnen mit reduziertem Leistungseinsatz), "ROAD" (angeblich "für allet jut") und "DYNA" (für den vollen Leistungseinsatz). Zur Probefahrt hatte der freundliche Verkäufer "ROAD" eingestellt und mich strahlend aufgefordert, es nicht zu übertreiben. Entsprechend war ich erwartungsfroh und ebenso enttäuscht. Was für eine lahme Kiste! Hätte ich nicht in den Tiefen des Bordcomputers "DYNA" gefunden... aus dem Kauf wäre nichts geworden. In diesem letztgenannten Fahrmodus ist der Bumms - auch aus niedrigen Drehzahlen - aber sehr ok!

Bei meiner Art das Motorrad zu bewegen, liegt der Kraftstoffverbrauch bei 5 l/100 km (ST1300 ca. 7 l) und ermöglicht mit dem 25-Liter-Tank ordentliche 500 km Reichweite.

Geschaltet wird das 6-Gang-Getriebe in meiner Ausstattung mittels "Schaltassistent Pro". Die Kupplung (funktioniert übrigens wunderbar leichgängig und verfügt über eine "Anti Hopping"-Einrichtung) KANN zu jedem Schaltvorgang genutzt werden, wird aber nur zum Einlegen des 1. Ganges zum Anfahren sowie auch zum Anhalten wirklich benötigt. Alle anderen Schaltvorgänge können ohne Kupplung und damit nahezu ohne Unterbrechung des Kraftflusses, durchgeführt werden. Das funktioniert zuverlässig, meist aber recht ruppig.

Der Verkäufer zeigte sich überzeugt, dass BMW mit dem für 2017 noch einmal über-arbeiteten Getriebe nun auf "Japanerniveau" liegt. Das ist schlicht und ergreifend Unsinn! Aber Schwamm drüber...

Die Ruckdämpfung im Kardanantrieb haben die BMW´ler allerdings prima hingekriegt. In Kombination mit der fein dosierbaren Kupplung ist das ein Genuss!

Bremsen:

Angenehm feinfühlig ansprechend und bei (subjektiv empfunden, nicht gemessen!) kurzen Bremswegen, lässt sich mit relativ wenig Kraft bis in den ABS-Regelbereich bremsen. Das funktioniert sehr gut und dank des ESA-Fahrwerks taucht das Motorrad kaum in die Vorderradgabel ein - klasse!

Auch ist ein "kurvenoptimiertes" ABS an Bord. Wie sich das allerdings auswirkt, habe ich noch nicht ausprobiert - mangels Traute...  :-))

Vorne werkeln zwei 4-Kolben-Bremssättel, hinten ein 2-Kolben-Bremssattel. Sie sind zu einem "teilintegrierten" Bremssystem zusammengefasst. Die Handbremse wirkt vorn und hinten, die Fußbremse nur hinten.

Ausstattung/Preis:

Wie bei BMW üblich, kennt die Aufpreisliste kaum Grenzen und die Preise nur wenige Hemmungen. Da meine Maschine ein Vorführfahrzeug war, ist sie "con tutto!". Zu deutsch: Alles, also wirklich alles, was die Aufpreisliste für das Jahr 2017 hergibt, ist enthalten.

 

Ich will hier nur schlagwortartig und ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufführen, was da alles drinsteckt:

LED-Fahrlicht mit Lichtautomatik, Anfahrassistent "Hill-Start-Control", Schaltassistent Pro, Anti-Hopping-Kupplung, Radio, Navigator VI, Handgriffe und Popo heizbar, Zentral-verriegelung, "Keyless ride", Diebstahlwarnanlage, innen beleuchtetes Topcase, 2 Bord-steckdosen, ESA, Reifendruckanzeige, Metalliclack "cosmosschwarz" und, und, und...

Das alles kostet neu knapp 26.000 €. Als Vorführer mit 3.400 km auf der Uhr wurden 21.000 € fällig.

Die wirklich schick anzusehenden Armaturen verfügen über eine automatische Helligkeitsanpassung und sind unter allen Lichtverhältnissen prima abzulesen. Nicht ganz so prima ist, dass die Auswahl der gleichzeitig möglichen Anzeigen den Ideen der BMW-Designer folgt und nicht nach eigenem Gusto einstellbar ist - oder ich hab´s noch nicht rausgekriegt  :-)

 

Aber irgendetwas ist ja immer... ;-))

Die beiden, in der Zentralverriegelung integrierten, "Hand-schuhfächer" haben diesen Namen nicht verdient. Um Hand-schuhe aufzunehmen, sind sie viel zu klein und nennen sich daher "Staufach".

Die Bedienungsanleitung enthält den Sicherheitshinweis: "Speziell im Sommer hohe Temperaturen in den Staufä-chern. Beschädigung untergebrachter Gegenstände, insbe-sondere elektronischer Geräte wie z. B. Mobiltelefone und MP3-Player".

Folgerichtig befindet sich im rechten Fach der Anschluss für MP3-Player und ähnliche elektronische Geräte!?!???

Und weil die Verriegelung des Navi NICHT in der Zentralverriegelung integriert ist (Warum eigentlich nicht?), dient das linke Fach lt. Information meines Händlers zur Verwahrung des Navigator bei Pausen. Na gut, ist ja auch kein empfindliches elektronisches Gerät oder ob ich ihn doch besser in der Jackentasche aufhebe?...

Dann gibt es noch die Diebstahlwarnanlage. Wird diese ausgelöst, ohne dass sich der Fahrzeugbesitzer um das Abschalten kümmert (nach 30 Sekunden geht sie von alleine aus), bleibt der CAN-Bus dennoch aktiv. Heißt: Am nächsten Morgen Batterie leer... Ob soetwas tatsächlich so sein muss???

Tourentauglichkeit:

In diesem Punkt geht es meines Erachtens um

  • Wind-/Wetterschutz,
  • Sitzkomfort,
  • Gepäckmenge und
  • zulässige Geschwindigkeit bei beladenen Koffern/Topcase

als die entscheidenden Faktoren.

Beim Wind-/Wetterschutz dachte ich bisher, dass die Pan keinen ebenbürtigen Gegner hat. Eine Meinung, die ich - ohne dass bisher wirklich heftiger Regen aufgetreten ist - revidiere. Soweit das bisher einschätzbar ist, ist die R1200RT da auf Pan-Niveau, bei etwas höherer Geräuschkulisse.

Auf der Seriensitzbank sitzt es sich überraschend komfortabel. Dennoch macht mir der Kniewinkel zu schaffen. Ist die Sitzbank "hoch" eingestellt, fehlt mir ein wenig für den sicheren Stand. Ist sie "niedrig" eingestellt, ist für mich der Kniewinkel zu spitz. Hier werde ich wohl im Zubehör nach einer Fahrer-Fußrastentieferlegung suchen müssen.

Das komfortable und schicke 49-l-Topcase ist schon mit einem Schuberth C3-Helm überfordert - dachte ich zunächst... Nach Tipps aus dem RT-Freunde-Forum (wie peinlich, dass ich das nicht selbst raus-fand...) und etwas probieren passen aber doch sogar 2 Helme rein (einer davon mit großer Helmschale). Da sind wir von der Pan mit 52-l-Topcase und deutlich besser nutzbaren Rauminhalt anderes gewohnt. Und warum es das Topcase nicht in Fahrzeugfarbe sondern ausschließlich in "metallic-weiß" gibt, ist das Geheimnis des BMW-Marketing.

2x35 Liter in den Seitenkoffern (wie auch die Honda Pan-European) machen die "Schwarzbunte Q" endgültig tourentauglich... wenn denn geeignete Kofferinnentaschen verfügbar sind. Die OEM-BMW-Taschen sind deutlich zu klein und steifwandig. Ein Probepacken zeigte, dass ca. 40%!! der Ladung einer Pan-Tasche Zuhause bleiben.

Bei einem freien Zulieferer bin ich fündig geworden:

Diese Taschen sind etwas größer als die BMW-Taschen, flexibel im Stoff und nutzen daher den verfügbaren Raum besser aus. Als durchaus praktisches Gimmick sind sie mittig geteilt. Und auch wenn man zunächst glaubt: "Das passt nicht!", geht der Deckel doch entspannt zu.

Die Taschen machen einen robusten und ordentlich verarbeiteten Eindruck. Zu beziehen sind sie über "Kleinert Kofferinnentaschen" zum Preis von z. Zt. (Nov. 2017) 117 €.

Taschen für das Topcase werden dort jedoch leider nicht angeboten. Da werde ich nach einiger Recherche wohl zur OEM-Tasche greifen... die bis jetzt (April 2018) seit November 2017!!! NICHT lieferbar ist!!! Unglaublich!!!

Erfreulich ist, dass den BMW-Leuten - auch mit montierten und beladenen (Koffer je 10 kg, Topcase 5 kg) Gepäckbehältnissen - eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h als vertretbar erscheint.

Am Rande gehören auch die Wartungsintervalle zur Tourentauglichkeit. Alle 10.000 km oder 1x im Jahr möchte die R1200RT zum Kundendienst. Das ist ok!

Kein "Kernthema" der Tourentauglichkeit ist die Frage nach: "Was passiert, wenn die Fuhre einmal umkippt?" Da ist die Pan-European mit ihren genialen "Hörnchen" eindeutig im Vorteil. Der Schaden an einer R1200RT wird deutlich höher ausfallen, da auch im güstigsten Fall Ventildeckel und Koffer auf dem Boden aufliegen. Zur Zeit grübele ich über einen "Zylinderkopfhaubenschutz" nach. Ein hässliches "Hirschgeweih" zum Schutz der Zylinderköpfe, der Koffer, der Spiegel und der Lenkerenden kommt nicht in Frage.

Verladen/Verzurren:

Das Verladen und Verzurren auf einem Anhänger wie dem "Airtrailer" ist denkbar einfach und sicher.

Da das Motorrad beim Abschalten der Zündung die Ventile der Vorderradgabel sperrt, ist diese absolut starr und federt beim Transport nicht ein. Allein mit den vorderen Gurten steht die Maschine bereits sicher. Die hinteren Anschlag-punkte sind leicht erreichbar und müssen nur noch seitliche Bewegung verhindern - Klasse! Allerdings ist die hintere Befestigungstraverse etwas scharfkantig. Hier werde ich künftig Gurtschutzschläuche einsetzen.

Zwischenfazit:

Bei der ersten Probefahrt hat die BMW nicht dieses "Haben-Wollen"-Gefühl ausgelöst, dass man eigentlich bei einer Neuanschaffung erwarten würde. Daher habe ich sie zunächst zum ausführlicheren Studium für 4 Tage angemietet.

 

Inzwischen hat sie mich bezüglich des Fahrerlebnisses überzeugt. Das liegt vor allem am Mindergewicht gegenüber der Pan und dem wirklich klasse Fahrwerk. Die vielen Gimmicks, die die Vollausstattung mit sich bringt, tun ein Übriges. Und - wie ich finde - sieht sie auch super aus!

Auf der anderen Seite ist es den BMW-Entwicklern gelungen, einige recht unpraktische Elemente zu konstruieren und die BMW-typische Umsetzung von Bluetooth-Schnittstellen kann einem in puncto Kompatibilität mit anderen Geräten die Zornesröte ins Gesicht treiben.

Ob sie an die Robustheit und die Langzeitqualitäten der Pan herankommt, wird die Zukunft zeigen. Daher werde ich an dieser Stelle auch immer wieder Ergänzungen einstellen.

 

PS: Wer unter uns bereits eine BMW-RT fährt oder mit Ihr liebäugelt, sollte sich ruhig einmal bei den RT-Freunden umschauen. Was das von uns geschätzte Pan-Forum leistet, ist dort für die RT zu finden.

 

 

 

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