BMW R1250RT - Die ersten 2.000 Kilometer mit "Mrs. Wilma"

 

 

Redaktionsstand: 31.03.2019

 

Grundsätzlich ist die R1200RT LC (EURO 4) (Fahrbericht) ein klasse Motorrad, aus meiner Sicht mit einem unangenehmen und durch den Fahrer nicht abstellbaren Makel:

Drehmomentschwäche zwischen Leerlaufdrehzahl und so ca. 2.000 U/min, in Kombi-nation mit einer erst sehr spät schließenden und ungünstig zu dosierenden Kupplung. Eine Unart, mit der ich mich überhaubt nicht anfreunden konnte und die ich bei der Probefahrt im flachen Land der Lüneburger Heide leider übersehen hatte.

Das führte zur Testfahrt mit der brandneuen R1250RT, die ich nach ausführlicher Erprobung dann auch gleich gekauft habe. Inzwischen kann ich auf 2.000 Kilometer Fahrerfahrung zurückblicken.

BMW R1250RT - Elegance -
BMW R1250RT - Elegance -

 

Motor, Getriebe, Kupplung:

Motor
Motor

Vor dem Hintergrund der mit der R1200RT LC gemachten Erfahrungen, beginne ich diesen Fahrbericht mit dem Thema "Motor, Getriebe, Kupplung". Diese Bauteile sind gleichzeitig auch die Bereiche, die absolut keine Gemeinsamkeiten mehr mit dem Vorgängermodell haben.

 

Die geänderte Form der Ventildeckel und der kleine vor dem Motor montierte Spoiler sind im Erscheinungsbild die am ehesten erkennbaren Unterschiede.

 

Der Motor ist eine völlige Neukonstruktion. BMW hat nicht nur 84 ccm mehr Hubraum spendiert, sondern auch "ShiftCam"-Nockenwellen installiert. Die Nockenwellen über den Einlassventilen werden je nach Last und Drehzahl über eine Schaltkulisse seitlich verschoben, sodass andere Nockenprofile zum Tragen kommen. Die Volllastnocken mit maximalem Hub sorgen für hohe Leistung. Die Teillastnocken reduzieren den Ventilhub, sollen den ­Verbrauch absenken und vor allem einen fülligen und runden Motorlauf im unteren und mittleren Drehzahlbereich ermöglichen.

Und das funktioniert sensationell gut! Vorbei ist die Zeit der (nur bei EURO 4-Modellen) Drehmomentschwäche bei sehr niedrigen Drehzahlen. Der Boxer agiert jetzt in diesem Punkt auf dem Niveau der bullenstarken Honda ST1300 Pan-European. Das Umschalten der Nocken ist - wenn der Fahrer nicht bei ca. 3.500 U/min voll aufreißt - im Fahrbetrieb nicht spürbar.

Angenehmer Nebeneffekt ist die auf 136 PS (143 Nm/6.250 U/min) gestiegene Leistung. Damit befindet sich die Maschine bezüglich des Leistungsgewichtes sogar knapp oberhalb des Vergleichswertes der 160 PS starken K1600GT. Und das merkt der Fahrer. Bei Bedarf "geht das Ding wie die Sau"!  ;-))

Auch angenehm: Das boxer-typische Schütteln ist im gesamten Drehzahlband eleminiert. Vorbei die Zeiten, dass man zwischen 2.500 und 3.500 U/min im Spiegel nicht erkennen konnte, was da hinter einem folgt!

Das Getriebe schaltet neuerdings ohne Hakeln, Krachen oder Rucken. Lediglich ein leises "Klack" zeigt den Schaltvorgang akustisch an. Jetzt ist es wirklich "Japanerniveau" - HEUREKA! Und wenn ich den Gerüchten trauen darf, stammt das Getriebe jetzt auch von einem japanischen Zulieferer.

Der aufpreispflichtige "Schaltassistent Pro" schaltet jetzt so weich, dass die Sozia kaum noch Unterschied zwischen "Handschaltvorgang" und "Automat" erkennt - prima!

Auch die Kupplung ist jetzt perfekt zu dosieren und tut einfach das, was man von ihr erwartet: leichtgängig, gut kontrollierbar, angemessener Schleifbereich - geht doch!

 

Bremsanlage:

Bremsanlage
Bremsanlage

Bei den vorderen Bremssätteln verschwand der Schriftzug "Brembo". Jetzt steht "BMW" drauf und auch das Design (nicht nur die Farbe) hat sich geändert. Nach meinen Informationen hat BMW einen Wechsel von Brembo zu einem US-amerikanischen Hersteller durchgeführt (Hayes?). Ob auch bei anderen Bremskomponenten ein Zuliefererwechsel erfolgte, ist mir nicht bekannt. Aber leider gibt es prompt Ärgernisse mit Undichtigkeiten im Bereich der Bremssättel. Mal sehen, wie BMW das handhabt.

 

In der Auslegung der Bremsanlage hat sich aber scheinbar nichts geändert. Die Bremsen funktionieren unverändert ausgezeichnet gut.

Auch die aufpreispflichtige "Berganfahrhilfe" (Hill-Start-Control) erfuhr eine erfeuliche Weiterentwicklung. Sie verdient jetzt den Namen "Hilfe", ist völlig unspektakulär zur Stelle und benötigt zum Lösen keine erhöhte Drehzahl mehr. Sehr schön!

 

Eher als Gimmick erscheint mir das "Dynamische Bremslicht", dass je nach geforderter Bremsleistung in Intervallen blinkt.

 

Fahrwerk:

Aufpreis: Dynamic ESA
Aufpreis: Dynamic ESA

Grundsätzlich blieb das aufpreispflichtige, dafür aber in allen Fahrsituationen überzeugende, "Dynamic ESA"-Fahrwerk scheinbar unangetastet.

Es sorgt für wirklich tadelsfreies Fahrverhalten und verhindert weitestgehend auch das Eintauchen der Vordergabel beim Bremsen.

Es verfügt jetzt jedoch über drei Federvor-spannungs- und zwei Dämpfungsstufen und hält das Motorrad unabhängig vom Beladungszustand auf stets gleichbleibendem Niveau. Diese Ände-rung ist wohl eine Anpassung der ESA-Steuerung an die der K1600GT. Das funktioniert auch im 2-Personen-Betrieb und mit Gepäck.

 

Sonstige Ausstattung:

"Intelligenter Notruf"
"Intelligenter Notruf"

Für mich neu (lieferbar seit Modelljahr 2018) ist ein "Intelligenter Notruf", eine Entsprechung des für Autos vorgeschriebenen "eCall"-Systems.

Diese Extra-Ausstattung ist mit 310 € über-raschend preisangemessen und erzeugt keine Folgekosten wie Jahresgebühren o. ä. Der Notruf kann manuell oder - nach Unfall - automatisch ausgelöst werden. Dabei wird jeweils der eigene Standort übertragen.

Meiner Meinung nach eine sehr sinnvolle Sache für Fahrer, die nicht scheuen, dass die Notrufzentrale ständig ihre Position kennt.

Im Kreis der BMW-RT-Fahrer gibt es teilweise Skepsis, ob die Flächenabdeckung des Systems so ist, dass auch überall der Notruf abgesetzt werden kann. Bei meinen bisherigen Fahrten in Schleswig-Holstein, MeckPom, Hamburg und Niedersachsen, zeigte das Gerät bisher keine Verbindungslücken an.

Dashboard
Dashboard

Erhalten blieb auch das für meinen Geschmack schicke Dashboard, dessen Aufteilung nur gering-fügig geändert wurde. Es ist prima ablesbar (auto-matische Helligkeitsanpassung), in der Neigung verstellbar und gibt die unzähligen Einstell-möglichkeiten des Fahrwerks, der Fahrmodi und des Bordcomputers erstaunlich übersichtlich wieder.

Wahrscheinlich blieb auch die Kratzempfindlichkeit der Abdeckscheibe erhalten...

Der Blinker verfügt über eine modifizierte auto-matische Rückstellung - und die funktioniert gut!

Leider unverändert blieb:

  1. Ein Navi, dass nicht in der Zentralverriegelung integriert ist. Wie dem abzuhelfen ist, findet Ihr hier.
  2. Das Radio kann nicht ohne "Zündung an" betrieben werden. Damit ist Beschallung beim Putzen/Basteln zum Schutz der Batterie nicht möglich.
  3. Die unsäglichen, weil gefährlichen, Soziusfußrasten (Details hier).
  4. Die (zu) kleinen Staufächer unterhalb des Dashboard.
  5. Koffer/Topcase, die im Vergleich zu ihren Außenabmessungen, den Platz nicht optimal nutzen und deren Schlossriegel in geöffnetem Zustand scharfkantig herausragen - Kratzgefahr zum Beispiel an der Helmschale.
  6. Ein LED-Hauptscheinwerfer ist nicht verfügbar.

 

Die Kosten:

Anschaffungskosten in der von mir gewählten Version:

  • 18.000 € - Grundpreis
  •      420 € - Farbversion: carbonschwarz-metallic, Design: Elegance
  •   2.660 € - Komfort-, Touren-, Dynamic-Paket
  •   2.160 € - Keyless-Ride, Audiosystem, Schaltassistent Pro, eCall
  • 23.240 € - Fahrzeug, Listenpreis Modelljahr 2019
  •      950 € - Topcase an ZV
  •      300 € - ZV-Navi
  •      240 € - Ventildeckelschützer
  • 24.730 € - Fahrzeugpreis
  •      410 € - Überführung

 

  • 25.140 € - insgesamt... ein stolzer Preis für ein schickes Motorrad

Der Kraftstoffverbrauch lag in der Einfahrphse bei ca. 4,9 l/100 km und wird sicher danach ein wenig ansteigen. Es steht jedoch zu erwarten, dass mit dem 29-ltr-Tank rund 450 km möglich sind. Das ist ok!

Ebenso ok, wie die Wartungsintervalle von 10.000 km oder 1x jährlich. Tiefes Durchatmen erzeugen jedoch generell die Werkstattlöhne (in meinem Fall, Anfang 2019: 152 €/Std) und bisweilen auch die Ersatzteilpreise.

 

Weitere Änderungen konnte ich

im Vergleich zur Vorgängermaschine bisher nicht entdecken.

Insofern gelten die Feststellungen zur R1200RT LC auch für die neue R1250RT.

 

 

 

1. Fazit:

 

Ich mag meine "Mrs. Wilma" - so heißt die Neue.

Und ich freue mich schon jetzt,

Euch an dieser Stelle immer wieder einmal Gutes über sie zu berichten!

 

 

"Mrs. Wilma"
"Mrs. Wilma"

 

PS:

Wer unter uns bereits eine BMW-RT fährt oder mit Ihr liebäugelt, sollte sich ruhig einmal bei den RT-Freunden umschauen. Was das von uns geschätzte Pan-Forum leistet, ist dort für die RT zu finden.

 

 

 

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