Honda Africa Twin 1000L  -  Fahreindrücke

 

 

Redaktionsstand: August 2016

 

 

 

Unser Kamerad Thorsten hat seit Saisonanfang 2016 neben seinen weiteren 2-Rädern etwas Neues im Stall stehen.

 

Nach ein paar mal betteln ;-) schildert er uns seine ersten Fahreindrücke.

 

Lesenswert für alle, die einmal - wie Euer Webmaster auch - nach etwas mit weniger Gewicht schielen!

Ich wollte wieder einmal etwas leichteres, endurigeres fahren!
Ich wollte wieder einmal etwas leichteres, endurigeres fahren!

Gerüchteweise hörte ich, dass bald eine NEUE Africa Twin erscheinen würde! Die Gerüchte verdichteten sich… und als ich dann die ersten Fotos sah und die technischen Daten erschienen, war es um mich geschehen! Das Ding musste ich haben!!! Bereits im Herbst 2015 stand mein Entschluss fest! Lediglich die Farbe wollte noch ausgesucht werden. Im Januar 2016 konnte ich die Maschinen in Augenschein nehmen. Es wurde "Victory Red".

Für mich das erste Motorrad, das ich NIE vorher Probe gefahren habe und praktisch so „aus dem Katalog heraus“ bestellt habe. Um es vorweg zu nehmen: ich wurde nicht enttäuscht!

Ein entscheidendes Kaufargument war hierbei das nur von HONDA angebotene DCT, also das Doppel-kupplungsgetriebe. Hatte es mich im Crosstourer schon anlässlich von Probefahrten begeistert, setzte HONDA bei der Africa Twin noch einen drauf. 4 Fahrmodi, vom „Bummelmodus“ im normalen Tourenbetrieb bis zum Sportmodus „1 – 3“, alle funktionieren problemlos und unterscheiden sich durch ein jeweils anderes Drehzahlniveau beim Schalten. Die Schaltvorgänge erfolgen automatisiert und absolut ruckfrei. Man hat jedoch jederzeit die Möglichkeit, wie im „Formel 1 – Betrieb“ die Gänge am linken Lenkerende manuell hoch- oder herunter zu schalten. Sehr nützlich, wenn man z. B. zum schnellen Einfädeln höchste Beschleunigung benötigt. Da ist die Africa Twin mit DCT und Lenkerschalte viel souveräner als der Crosstourer mit „Fuß-Schaltung“. Das DCT ist sehr komfortabel und lässt mich das Motorradfahren viel stressfreier und sorgloser erleben, wobei ich hier natürlich nur für mich sprechen kann.

 

 

 

Ich habe seit kurzem 7.700 km auf dem Kilometerzähler stehen, habe mich aber bereits von der ersten Sekunde an, auf dem Motorrad wohl gefühlt. Die Sitzposition passt dank Höhenverstellung der Sitzbank sowohl großen als auch kleinen Fahrer-/-innen, wobei ich die niedrige Zubehörsitzbank in der mittleren Position fahre. Der Lenker liegt gut zur Hand, die Bedienelemente sind logisch angeordnet und passen sehr gut.

Das von HONDA „Dashboard“ genannte, in 3 Sektionen aufgeteilte digitale Instrumen-tarium gefällt mir persönlich sehr gut und lässt informationstechnisch keine Wünsche offen. 2 Tageskilometerzähler, diverse Verbrauchsanzeigen, Uhr, Außentemperatur, Fahrmodus, Stufe der 3stufigen Traktionskontrolle, Benzinanzeige, die beim letzten Balken auf noch verbleibende Restreichweite umspringt – mehr braucht kein Mensch! Und natürlich digitale Anzeigen für eingeschaltete Heizgriffe, Zusatzscheinwerfer usw.

Das Licht besteht bei meiner Africa Twin übrigens ausschließlich aus LED Schein-werfern, das Rücklicht und die Blinker sind ebenfalls mit LED Lampen ausgestattet. Wobei die Blinker nun auch, bedingt durch eine Gesetzesänderung der EU, permanent als „Positionslampen“ leuchten dürfen. Die Africa Twin hat, wie ihre Vorgängerin, einen Doppelscheinwerfer, wobei eine Leuchte im Tagfahrlichtbetrieb agiert und die andere dann als Abblendlicht. Wenn man dann wie ich noch die optionalen HONDA Zusatz-scheinwerfer – die wahnsinnig hell sind! - installiert hat, kann man die Nacht zum Tag machen! Und bei Bedarf vielleicht auch schon mal mit einem Klingonen-Kreuzer verwechselt werden…  :-)))

 

Die Sitzbank ist angenehm fest gepolstert, aber nicht zu hart. So übersteht man die Distanz bis zum nächsten Tankstopp ohne Probleme, der sich im Übrigen nach ca. 350 km einstellt. Dann ist aber auch „Schicht im Schacht“, ich tanke meistens nach 300 km. Der Tank fasst 18,8 Liter.

Der Windschutz ist mit der originalen Scheibe erstaunlich gut, Windgeräusche und Turbulenzen sind so gut wie nicht spürbar! Hier haben die HONDA Ingenieure wirklich ganze Arbeit geleistet! Die etwas höhere, OEM-„Tourenscheibe“ bringt eigentlich außer Turbulenzen und Lärm am Helm keine Vorteile. Ich habe beide Scheiben ausprobiert, mein Ergebnis deckt sich auch mit den Resultaten der Tester in den Motorrad-zeitschriften.

Das Fahrwerk hat mich ebenfalls vom ersten Tag an begeistert. Voll einstellbares Zentralfederbein und voll einstellbare UP-SIDE-DOWN Gabel von der HONDA Tochter- firma SHOWA, beides vom Feinsten! Es braucht kein ESA, um spurstabil alles glatt zu bügeln, was einem unter die Räder kommt! Ich habe es auf einer 2.300 km langen Tour durch Masuren und Litauen „erfahren“ dürfen. Wir sind teilweise über schlechte Pisten gerollt, die Africa Twin hat alles souverän gemeistert. Auf der kurischen Nehrung habe ich auf einer einsamen Straße eine zur Verkehrsberuhigung installierte Bodenwelle übersehen und bin da mit ca. 80 km/h drüber geballert… es ist NICHTS passiert, gar nichts! Die Gabel hat einmal „pfft“ gemacht, das war es!  :-)  Das Motorrad fährt sich unglaublich agil und leicht! Man muss es mal erlebt haben, aus dem Stand heraus – am besten im Sportmodus – einfach mal am Gasgriff zu drehen und dann ruckfrei nach vorne katapultiert zu werden...  :-))

Die 95 Pferdestärken der Africa Twin haben mir bisher in allen Lebenslagen genügt, kein Wunder bei einem Drehmoment von 98 Nm! Meiner Africa Twin habe ich das „volle (Zubehör-)programm spendiert, sie wurde mit dem optionalen Touring-Paket ausge-rüstet. Hierzu gehören 2 Koffer sowie ein Topcase, hohe Windschutzscheibe, Heizgriffe, Hauptständer sowie ein „Dekorrahmen“ (lustiges Wort, sollte eigentlich ein „Sturzbügel light“ sein) und die 2 unglaublich hellen LED-Zusatzscheinwerfer. Als Erstbesteller habe ich von HONDA noch ein sehr schönes Buch über die Geschichte der Africa Twin sowie einen RNS-Tripmaster im Wert von 500 € gratis dazu bekommen, auf dem die Nummer meines Motorrades eingraviert ist – in Deutschland habe ich die Nr. 501  :-)

So weit, so gut?

 

Oder gibt’s auch was zu meckern….? Ja, gibt es. Denn sonst wäre es ja langweilig! :-)

 

Der montierte SCOTT-Oiler ist bereits der 2. seiner Art. Der erste zeigte zwar den Ölvorgang im Display an, tatsächlich wurde dieser aber nicht ausgeführt. Die Pumpe funktionierte beim Entlüftungstest, also wurde das Display auf Garantie getauscht. Leider funktioniert der Öler aber immer noch nicht richtig… das muss im Winter mal im Rahmen der Jahresinspektion gecheckt werden. Diesen Fehler kann man natürlich HONDA nicht anrechnen!

 

Die Qualität der serienmäßigen Koffer allerdings schon. Wurden die Koffer von mir ganz normal mit Reiseklamotten gefüllt, und diese befanden sich dann auch noch in den serienmäßigen Innentaschen von HONDA, fing der Kofferdeckel nach ein paar Tagen auf der Masurenreise an, sich zu verformen. Der Kunststoff beulte sich ohne weiteres Zutun dermaßen aus, dass der linke Koffer in Fahrtrichtung nicht mehr abschließbar war! Bzw. während der Fahrt der Schlüssel stecken bleiben musste… ohne Ersatzschlüssel wäre ich aufgeschmissen gewesen! Einer Motorradfreundin, sie fährt die gleiche Maschine, fiel leider während einer Reise die Maschine auf den Koffer. Während ihrer Africa Twin überhaupt nichts passierte, wies der Koffer faustgroße Löcher auf, die Halterung für den Rahmen riss ab, der Koffer war vollständig zerstört! Bereits vor dem Umfaller ließen sich die Koffer dieses Bikes nur noch mit Hilfe mehrerer Personen schließen!

Auf Anraten meines HONDA Händlers habe ich meine Koffer dann im Rahmen der Garantieregelung bei HONDA reklamiert. Diese Reklamation wurde mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt! Wer mich kennt weiß aber, dass ich so etwas nicht auf mir sitzen lasse. Ich habe daher ein ausführliches und relativ unentspanntes eMail an den Leiter des Kundendienstes geschickt und zig Bilder als Anlage angehängt, und zwar schon vor einem Monat…. Bis HEUTE habe ich von HONDA keine Antwort erhalten. Die Sache soll zwar bei jemandem „in Bearbeitung“ sein, ich finde dieses Verhalten jedoch mehr als peinlich für HONDA und absolut inakzeptabel. Ich habe HONDA bei Beibehaltung ihrer ablehnenden Haltung angekündigt, meinen Rechtsbeistand in Anspruch zu nehmen. Mal schauen, was nun passiert…

 

Aber das ist eigentlich das einzig Unerfreuliche an der Sache, die Africa Twin ist und bleibt für mich das vielleicht beste Motorrad, das ich je gefahren habe. Ach ja… und das Verhältnis zu meinem langjährigen Händler, mit dem ich seit Jahrzehnten super zufrie- den bin, wird dadurch auch nicht getrübt, denn auch ihm ist die Sache unangenehm.

 

Preise/Daten:

 

  • 12.100 € (inkl. Überführung) Preis 2016

 

Mehrausstattungen:

  •    300 € CRF     Rally oder Tricolor Lackierung
  •    600 €            ABS
  • 1.120 €            DCT

 

  • Motor flüssigkeitsgekühlt, Parallel-Zweizylinder-Viertakt, 8 Ventile
  • Hubraum:                      998 ccm
  • Gemischaufbereitung:  PGM-FI Benzineinspritzung
  • Leistung:                       70 kW / 95 PS @ 7500 U/m
  • Drehmoment:                98 Nm @ 6.000U/m
  • Höchstgeschwindigkeit:        199 km/h

 

  • Mehrscheibenkupplung im Ölbad, Anti-Hopping-Funktion
  • 6-Gang Schaltgetriebe oder 6-Gang DCT
  • Endantrieb O-Ring-Kette

 

  • Sitzhöhe in mm 850 – 870 (verstellbar)
  • Bodenfreiheit in mm 250
  • Tankinhalt in Liter 18,8

 

  • Reifen: vorne 90/90-R21, hinten 150/70-R18

 

  • Radaufhängung
    vorne:              45 mm Upside-Down Teleskopgabel
    hinten:             ProLink Stoßdämpfer
    Federweg:       vorne 230 /hinten (in mm)

 

  • ABS & DCT-Modell mit 2-Kanal-ABS, Hinterrad-ABS abschaltbar
  • vorne:  310 mm Doppelscheibenbremse, Radial-Vierkolben-Bremszange
  • hinten: 256 mm Scheibenbremse, Zweikolben-Bremszange, DCT mit Parkbremse

 

  • Gewicht (vollgetankt):
    je nach Ausstattung:   208 (Standard) - 242 kg (ABS & DCT)
    Max. Zuladung:            195 kg

 

 

 

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Dez. 2011