Honda Africa Twin CRF 1100L  / Adventure Sports -  Fahreindrücke

 

 

August 2020

 

 

 

Die Honda Africa Twin ist offenkundig ein Motorradtyp, der es unserem Freund Thorsten angetan hat.

 

Nun hat er - fast exakt vier Jahre nach seiner bisherigen CRF 1000L - erneut "upgegraded".

 

Doch ist das tatsächlich ein "Upgrade"? Lest selbst, was Thorsten dazu meint!

Wer mich kennt, der weiß, dass ich in den letzten Jahren immer große Reisetourer gefahren habe. Angefangen mit der unkaputtbaren “HONDA Pan-European ST1100", gefolgt von der "ST1300". Beide Motorräder habe ich jeweils ungefähr 100.000 km durch ganz Europa bewegt und beide Maschinen sind für mich die Referenz in ihrer Fahrzeugklasse und zu ihrer Zeit. Weder die 1100´er noch die 1300´er haben mich jemals im Stich gelassen. Das Motto war: „Draufsetzen, starten, losfahren – und immer gut und entspannt ankommen!“

Und quasi „nebenbei“ habe ich ja auch noch eine 1100´er Spezialausgabe der Royal British Military Police und eine BMW RT 1150 P - „P“ steht für Police - hobbymäßig bewegt. Alles Schwergewichte jenseits der 300-kg-Marke.

Nur wenige aber wissen, dass meine motorradfahrerischen Wurzeln eigentlich aus dem Enduro-Bereich stammen. Eines meiner ersten Motorräder war u.a. die heute legendäre Yamaha XT 500, mit der ich damals von Lübeck nach Gibraltar und zurück gefahren bin. Das war 1986 noch richtiges Abenteuer, wobei ich schon damals bevorzugt in Pensionen übernachtet habe :-)

Irgendwann bereiste ich die russische Föderation mit meiner damaligen ST1300. Das ging, doch teilweise war es abenteuerlich und auch grenzwertig, mit so einem schweren Motorrad auf den schlechten russischen Straßen unterwegs zu sein.

Für eine weitere Reise in diese Region erstand ich dann eine HONDA Africa Twin RD07a mit 60 PS. Damit war der "Africa Twin"-Virus gesetzt und 2016 kam eine nagelneue Africa Twin CRF 1000L DCT (DCT = automatisches Doppelkupplungs-getriebe) in die Garage. Die Geschichte und den Fahrbericht dazu findet Ihr hier.

Mit anderen Themen beschäftigt, lief es völlig an mir vorbei, dass Honda zwischenzeitlich eine neue Africa Twin, die CRF 1100 L, und parallel hierzu auch eine neue Adventure Version auf den Markt brachte. Wobei es sich tatsächlich um ein ganz neues Motorrad handelt, angefangen bei den Rädern, dem Rahmen, Auspuff, Motor, Cockpit usw. usw. Also nicht nur ein „Update“, sondern eine völlige Neukonstruktion! Ich war begeistert, denn nun war die Adventure Sports auch so konstruiert, dass man als normal gewachsener Europäer das Motorrad bequem ersteigen konnte. Mit dazu bei trägt auch die neue Sitzbank, die schmaler – und damit bequemer – geworden ist. Der Tank der neuen Adventure Sports fasst nun 25,5 Liter. Damit sind Reichweiten jenseits von 500 km problemlos möglich. Das DCT wurde nochmals verbessert, außerdem wurde die Maschine erstmalig mit einem elektronischen Fahrwerk der Honda-Tochter SHOWA ausgestattet sowie mit adaptivem Kurvenlicht. Das elektronische Fahrwerk kann optional bestellt werden. Alles wird über das neue und absolut blendfreie große farbige TFT-Display gesteuert, das der Kommandozentrale des Raumschiff Enterprise ähnelt!

Ralf, seit einer gefühlten Ewigkeit hervorragender Honda Händler meines Vertrauens, hatte natürlich mein Interesse an „der Neuen“ bemerkt. So kam es, wie es kommen musste… er machte mir ein mehr als faires Angebot zur Inzahlungnahme meiner Pan-European ST1300 UND meiner bisherigen 1000´er Africa Twin. Ich hingegen ließ mich dafür auch nicht lumpen und bestellte die neue Africa Twin CRF 1100 L Adventure Sports „einmal mit allem“! Dieses beinhaltete dann natürlich auch das Doppelkupplungsgetriebe und das elektronische Fahrwerk. Zusätzlich ließ ich noch einen elektronischen Scottoiler verbauen, mit dem hatte ich auf beiden vorherigen Africa Twins gute Erfahrungen gesammelt. Kette schmieren war gestern, das macht nun vollautomatisch der Öler!

Apropos automatisch… fuhr sich die 1000´er mit dem DCT schon genial, ist es Honda bei der 1100´er gelungen, nochmals einen draufzu-setzen!

Die Gänge schalten sich (automatisch) butter-weich, praktisch nicht spürbar bis zum letzten, dem 6. Gang hoch. Hierbei hat man die Wahl, entweder im normalen „Tourmodus“ zu fahren, oder in einem der 3 Sportmodi. Ich wähle meistens „Sport 1“ und bin damit sehr zufrieden.

Das Aufsitzen klappt nun dank geringerer Höhe (5 cm weniger als beim Vorgänger-modell) hervorragend, auch dank der schmaleren Sitzbank. Man bleibt nun beim Besteigen auch nicht mehr an den optionalen Alukoffern hängen. Diese habe ich mir übrigens auch mitbestellt, sowie das passende Topcase. Sie sind alle mit dem Honda Schriftzug versehen, werden aber von GIVI gefertigt. Passende Innentaschen werden ebenfalls mitgeliefert. Sowie ein kleiner, 5 Liter fassender Tankrucksack, der speziell für das Motorrad entwickelt wurde. Gefiel mir optisch zuerst nicht so gut, habe meine Meinung aber nach der ersten, größeren Reise geändert. Dinge wie Geldbörse, Handy, Tempotaschen-tücher, Sonnenbrille und eine Flasche Wasser 0,33 Liter passen da locker hinein. Er ist absolut wasserdicht, leicht zu bedienen und zu befüllen und hält dank Magneten und 2 kleinen Spanngurten, die am Tank eingeclipst werden, bombenfest. Das Motorrad hat außerdem eine 12 Volt Steckdose sowie eine USB-Dose zum Anschluss des Handy usw.

 

 

 

 

Die Zusatzscheinwerfer für Nebel, Tunnel-durchfahrten usw. sind so hell, dass man sie ohne Weiteres auch im Fußballstadion ein-setzen könnte :-) … aber dafür ist Honda bekannt!

 

Kein Vergleich zu Touratech, Wunderlich oder anderen Anbietern – die von Honda sind die hellsten! Sie, wie auch alle anderen Schein-werfer, Rücklichter und Blinker, die in LED-Technik ausgeführt sind.

Das elektronische Fahrwerk lässt sich sehr einfach an jede denkbare Beladung anpassen (Fahrer / Fahrer mit Gepäck / Fahrer, Sozia / Fahrer, Sozia mit Gepäck) und funktioniert hervorragend! Ich konnte das auf einer Reise in die Schweiz testen und war begeistert!

Hat man sich bereits auf der 1000´er mit 95 PS NIE untermotorisiert gefühlt, auch dank des Drehmomentes von 98 NM bei ca. 220 kg Fahrgewicht, hebt sich die 1100´er auch hier deutlich vom Vorgängermodell ab! Der Leistungszuwachs von 7 PS ist auf dem Papier nur marginal. Doch auch das Drehmoment ist gestiegen, auf jetzt 105 NM und steht bei 6.250 U/min zur Verfügung. In der Praxis ist der Durchzug deutlich angewachsen - und das bei niedrigeren Dreh-zahlen! Das Motorrad macht einfach Spaß und fährt sich von der Kraft-/Leistungsentfaltung unglaublich souverän! Trotz der „Adventure“- Ausmaße lässt sich die neue CRF 1100 L Adventure Sports auch dank der tieferen Sitzposition besser händeln als das Vorgängermodell.

Die Reifen sind nun auch wieder schlauchlos, für mich ein echter Gewinn. Das Bremslicht ist so ausgerüstet, dass beim abrupten Bremsen der nachfolgende Verkehr durch ein Pulsieren/Flackern des Bremslichtes gewarnt wird. Man könnte hier noch unzählige weitere Features aufführen, aber das würde den Rahmen sprengen…

 

Alles super soweit? Nicht ganz… wo Licht ist, gibt es auch (etwas) Schatten.

 

Das Cockpit ist absolut blendfrei und schön anzusehen, ist aber mit so vielen Funktionen und Anzeigen überfrachtet, dass es schon eine geraume Zeit braucht, um überall durchzusteigen.


Viele Funktionen verstecken sich in Untermenüs, die man erst einmal finden muss. Ob man dazu eine Auswahl an „Gold / Silber /Bronze – Modus“ braucht, sei einmal dahingestellt. Auch die Schaltarmaturen links und rechts erinnern eher an die Bedienung eines Helikopters als an ein Motorrad. Die Bedienungsanleitung umfasst 400 Seiten… man hat viel zu lesen. Aber das scheint heutzutage der Trend der Zeit zu sein.

Es sei abschließend erwähnt, dass man sein I-Phone – sofern man so ein Teil hat – mit dem Cockpit verbinden und dann über Apple Carplay navigieren kann. Mit einem Android-Handy noch nicht, soll aber wohl folgen.

 

Zusammenfassend kann ich jedoch sagen, dass dieses ganze Cockpit-Gedöns nicht wirklich den Fahrspaß mit der neuen Africa Twin trübt.

Ich habe mich dieses Mal wieder für eine Farbkombination aus Schwarz und Gold entschieden, eine Reminiszenz an meine wunderschöne 650´er Africa Twin RD07a.

Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, meine neue Africa Twin auf einer Reise in die Schweiz erstmalig ausgiebig zu testen. Note „1,1“ erscheint für mich angemessen – die

HONDA „CRF 1100 L Adventure Sports DCT mit elektronischem Fahrwerk“

ist das beste Motorrad, dass ich jemals gefahren habe. Und ich habe schon etliche Motorräder gefahren… :-)

 

Ergänzung Webmaster:

Tja, Loide, soweit der besitzerstolze Bericht unseres Freundes Thorsten. Ihm einen ganz dicken Dank für den Text und die Bilder! Und so wie sich das für mich liest, kann und wird diese Version der Africa Twin auch viele weitere stolze Besitzer finden... würde nicht auch bei Honda Geld über die Theke gereicht werden müssen.

 

Mit "con tutto"/ "mit alles" kostet das schicke Bike im Frühjahr 2020 exakt 23.000 €!

 

Jemand Schnappatmung?   :-))

 

 

 

 

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