1.100 km mit der Honda CTX 1300   -   Fahrbericht

 

 

Die ST 1300 ist tot

so wirkt der Resteverkauf unseres Tourers.

 

Es lebe die ST 1300

zumindest ihr Motor scheint in der neuen CTX 1300 weiter zu leben.

 

Und schon allein das, macht auf die CTX neugierig.

 

 

Inzwischen habe ich auf der CTX 1300 ca. 1.100 km abgenudelt und kann ein paar erste Eindrücke übermitteln:

Optik: Gewöhnungsbedürftig! Ich finde sie jedoch schick.
Optik: Gewöhnungsbedürftig! Ich finde sie jedoch schick.

Hat man die innere Abwehr gegen das gewöhnungsbe-dürftige Design überwunden (Honda nennt es "Charakter-Tourer") und startet die Maschine, meldet das Ohr: Du hockst auf (D)einer Pan... und bist Zuhause! Die niedrige Sitzposition begünstigt die kurzbeinigen Fahrer und das Schieben fällt überraschend leicht. Erst ein Blick in die Technischen Daten zeigt: Das Ding ist noch 10 kg schwe- rer als die Pan... wo hat sich dieses Gewicht bloß ver- steckt? Der Vortrieb wird jedenfalls durch das Gewicht nicht behindert! Von 0 bis 120 km/h geht es beeindruk- kend zur Sache und man ist geneigt, beim 2. Blick in die Technischen Daten die Angabe "62 KW/84 PS bei 6.000 U/min" für einen Druckfehler zu halten. Wahrscheinlich geht es auch oberhalb von 120 km/h mit ordentlicher Beschleuni- gung weiter... ich habe dann aber schon den Hahn zugedreht und es oberhalb 150 km/h gar nicht erst probiert. Die Frontmaske leitet - zumindest bei Fahrern meiner Körper- größe - den Fahrtwind bei höheren Tempi derart heftig auf Kopf und Schultern, dass weder Windgeräusche noch Winddruck/-wirbel irgendeine Art von Fahrfreude zulassen.

Honda nennt sie "Charakter-Tourer" - Cruiser trifft es besser
Honda nennt sie "Charakter-Tourer" - Cruiser trifft es besser

Aber noch einmal zurück zum Aufsitzen und Losfahren. Zwar fällt das Schieben wirklich leicht, doch beinhaltet das Rangieren/Wenden auf engem Raum seine Tücken. Der sehr breite, stark gekröpfte Lenker, erzwingt beim Einlenken eine sehr gewöhnungsbedürftige Haltung von Armen und Oberkörper. Eine enge Wende bei geringem Tempo bereitet mir noch Schwierigkeiten. Möglicherweise kann sich das noch bessern. Beim ersten Anfahren suchte ich die Fußrasten vergeblich... und stellte zunächst die Füße auf die Schalldämpfer. Nach einigen Versuchen klappt das jetzt aber gut und ganz automatisch. Nur: Für Hüftgeschädigte ist das Anheben der vorgestreckten Beine auf die Fußrasten wohl nix. Der Kniewinkel ist für meine Beinlänge sehr entspannt und ich sitze ausgezeichnet und ermüdungsfrei. Für die Handgelenke gilt das nicht so uneingeschränkt: Ich habe mich an das Abwinkeln der Hände nach "außen" noch nicht gewöhnt.

Auf den von uns geliebten Kreissträßchen ist das Handling tadelsfrei. In mir gut bekannten Streckenabschnitten konnte ich beobachten, dass die Kurventempi auf ähnlichem Niveau lagen wie bei Ausfahrten mit der Pan - und ich fühlte mich wohl, kein Aufsetzen, kein Eigenleben beim Einlenken und/oder Aufrichten der Maschine. Auch (moderates) Bremsen in der Kurve birgt keinerlei Überraschungen. Überhaupt: Die Bremsanlage ist feinfühlig, gut dosierbar und vermittelt Sicherheit (ohne, dass ich objektivierbare Messungen durchgeführt hätte). Nicht ganz überraschungsfrei ist das Überfahren kräftiger Querrillen: Hier kann es dazu kommen, dass der gesamte Vorbau in unangenehme Vibrationen verfällt, die, obwohl sie schnell wieder abklingen, zunächst zu Schnappatmung führen. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und das wiederholt - auch in Schräglage - provoziert. Auf die Fahrstabilität/-sicherheit scheint dieses Verhalten keine Auswirkungen zu haben. Übrigens: Mit zwei Personen besetzt, liegt die Maschine bei Querrillen deutlich ruhiger.

Wie lebt es sich nun mit der CTX 1300? Nun, die Ergonomie der Lenkerarmaturen ist, wie bei Honda üblich, recht ok. Klasse ist die Ablesbarkeit der Anzeigen bei jeder Lichtein-strahlung und bei Dunkelheit ist das Dashboard sehr schick anzuschauen. Bei der Kon- struktion der Ablagefächer sowie der Tankeinfüllklappe müssen die Designer jedoch unter heftigen ungünstigen Einwirkungen gestanden haben. Die Ablagefachdeckel öffnen nur so schmal, dass z. B. ein im rechten Fach abgelegtes Feuerzeug nur mittels flexiblem Greifwerkzeug wieder herausgepult werden kann.

Öffner Tankklappe
Öffner Tankklappe

 

Und die Tankklappe öffnet schlicht verkehrt herum: Wird beim Tanken eine eingehängte Zapfpistole losge-lassen, wird mit hoher Wahrschein-lichkeit anschließend eine neue Klappe fällig. Überhaupt: Zum Öffnen der Tankklappe haben die Designer das Schloss ganz witzig über der linken Soziusfußraste positioniert.

öffnet nicht weit genug
öffnet nicht weit genug

Vor dem Tanken ist also eine angemessene Verbeugung vor der Diva erforderlich. Und das Design des Tanks schließt wohl - in Verbindung mit den Lenkerenden - die Verwendung auch eines kleinen Tankrucksackes aus. Ebenfalls nicht kritiklos ist das Koffersystem. Integralhelme lassen sich darin nicht verstauen und im linken Koffer frisst das Bordwerkzeug am knappen Stauraum.

Serienmäßig hat Honda der CTX ein Soundsystem spendiert. Wer jedoch nun glaubt, dies beinhalte auch ein Radio, irrt. Lediglich Lautsprecher, eine Schnittstelle zu MPx-Playern und eine Verbindung zu Bluetooth-Helmen sind integriert.

Tiefe knapp bemessen
Tiefe knapp bemessen

 

 

Für alle Kunststoffteile gilt: Von der uns lieb gewonnen Bezeichnung "Tupperware" für die Verkleidungsteile und Koffer müssen wir uns verabschieden. Dieses lieblose Plastikgedöns Tupperware zu nennen, ist eine Beleidigung für den gleichnamigen Kunststoffverarbeiter!

Sonst noch was? Ach ja: Die Sozia. Die Meine beklagte nach 320 km Tagestour Rücken- und Poschmerzen. Der Kniewinkel ist ok. Wer von seiner Liebsten bisweilen begleitet werden möchte, sollte Probefahrten also unbedingt zu Zweit vornehmen.

 

Gaby´s knappes Statement: Ich will meine Pan zurück - basta !!

Was bleibt aus meiner Sicht als Fazit:

Mir gefällt das ungewöhnliche Design durchaus. Das Mopped fährt sich gelassen und entspannt, bis es zum engen Wenden kommt. Der Motor ist ´ne Wucht und die Prospektangaben zum Verbrauch scheinen zutreffend. Trotz "nur" 19 Litern Tankinhalt sind Etappen oberhalb 300 km gut realisierbar und die Tankinhaltsanzeige ist ehrlich.

Für den Solofahrer ist die CTX eine Empfehlung für die Fahrt zwischen Nordkap und Voralpenland. In die Serpentinen der Hochalpen möchte ich damit nicht.

Der besondere Charakter der CTX ließe sich mit einem moderat ausfahrbaren Windschild, einem Automatikgetriebe und einem Tempomaten deutlich unterstreichen.

 

Nur eines ist sonnenklar, auch wenn der Motor uns erfreut:

!! Don´t call it Pan !!

 

 

Es grüßt Euch

Euer Webmaster

Achim

 

 

 

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Dez. 2011