Honda NC750X DCT

Vorstellung und Dauerfahrbericht

 

 

12.11.2019, Redaktionsstand: 06/2020

Nach der schmerzlichen Trennung von ihrer schicken Honda CBF600SA "Travel Edition" (Fahrbericht hier), musste für Gaby etwas Neues her. Dazu erstellte sie das folgende Lastenheft:

  • nicht schwerer als die CBF (230 kg)
  • leicht zu manövrieren
  • Sitzhöhe so, dass sicherer Stand gewährleistet ist
  • Handgriffe nicht zu dick und Kupplungs-/Handbremshebel verstellbar
  • Ergonomie so, dass auch längere Etappen gut durchzuhalten sind
  • Tankreichweite mindestens 300 km
  • tourentauglicher Motor mit ordentlichem Drehmoment "von unten" und ohne Racer-Allüren
  • und so´n büschen hübsch sollte die Neue auch sein  ;-)

Nach einiger Recherche und auch animiert durch die positiven Berichte unserer Biker-freundin Karin D. steht sie nun seit dem 10.11.2019 in der Garage, die Honda NC750X DCT, und soll hier vorgestellt werden.

 

Vorstellung

Honda NC750X DCT
Honda NC750X DCT

 Dabei steht das "X" in der Typbezeichnung für die "Soft-Enduro-Version".

 

 "DCT" heißt "Dual Clutch Transmission" oder zu deutsch "Doppelkupplungsgetriebe".  Also eine besondere Form des automatisierten Schaltgetriebes und wer das Bild genau betrachtet sieht: kein Kupplungshebel, kein Schalthebel.

 

Gaby hat das dezente Schnabeltier auf "Little Daisy" getauft - das passt!

Bedient wird das DCT über die Lenkerarmaturen.

 

Links:

Manuelles Schalten mittels Drucktaster "+ / -". In jedem Fahrmodus kann die Automatik des Getriebes manuell übersteuert werden. Bei Motor "off" schaltet das Getriebe in "Neutral". Daher ist zum Parken im Gefälle auch eine Feststellbremse an Bord, die auf das Hinterrad wirkt.

Rechts:

Vorwahl für "Neutral", die Automatik-Modi "D / S1 / S2 / S3" und die rein manuelle Schaltung "MT". Der Schaltmodus kann während der Fahrt beliebig verändert werden.

Das "manuelle Schalten" lässt sich gegen ca. 300 € Aufpreis nicht nur über die Lenkerarmatur sondern auch über einen Fußschalthebel erledigen. "Little Daisy" wurde diese Option nachgerüstet und Gaby findet das so sehr angenehm.

"Dashboard" spiegelt bisweilen
"Dashboard" spiegelt bisweilen

Zwischen Scheibe und Lenker blickt die Fahre-rin auf ein zwar kleines aber durchaus schickes Anzeigepaneel, bei dem eine Kühl-wassertemperatur- und eine Außentempera-turanzeige vermisst werden. In der Hinter-grund- und Anzeigefarbe sowie in der Hellig-keit sind die Anzeigen individualisierbar.

 

Die Abdeckscheibe kann je nach Lichteinfall spiegeln und sie ist kratzempfindlich. Im Zubehör sind Displayschutzfolien verfügbar, die Kratzer verhindern und auch mattiert zur Reduktion von Reflexionen erhältlich sind.

Dort, wo man den Tank vermuten würde, hält die NC750X eine Überraschung parat:

Unter der Abdeckung mit der kleinen Reling zur Befestigung von Tankrucksäcken (Bild 1), befindet sich ein Staufach mit 22 l Rauminhalt (Bild 2). Da passt schon eine Menge für die kleine Tour hinein und das Fahrerhandbuch versteckt sich in einem Extrafach am Boden des Staufaches. Helme mit kleinen Außenschalen lassen sich dort werbewirksam unterbringen (Achtung: Kratzgefahr!, Bild 3). Mit Schuberth-Klapphelmen gelingt dies jedoch nicht.

Etwas unpraktisch: Zum Öffnen des Faches, muss der Zündschlüssel in das Staufach-schloss umgesteckt werden.

Von der Schwerpunktlage her eher ungünstig ist die Position der Batterie - vom Staufach aus zugänglich, direkt hinter dem Lenkkopf.

 

Auf der Suche nach dem Tank wird man unter dem Soziussitz fündig.  Hier ist der Einfüllstutzen zum 14-l-Tank unter dem Fahrersitz.

Für günstige Schwerpunktlage sorgt der weit nach vorn gekippte Reihen-2-Zylinder-Motor mit dem ebenso flach liegenden Getriebe.

Nicht schön: Kurzer Kotflügel, der Schmutz im Motorschutz und und Steinschlag am Kühler begünstigt. Abhilfe: hier!


Für die Preisklasse unter 10.000 € ist die Bestückung mit einem Full-LED-Hauptscheinwerfer recht ungewöhn-lich.

Die reine Lichtausbeute erscheint uns durchaus ok. Betrachtet man das Motorrad jedoch von schräg vorn, sieht es aus, als sei kein Licht an. Nicht so gut!


ABS ohne "CBS" - nur eine Bremsscheibe
ABS ohne "CBS" - nur eine Bremsscheibe

Kritik - so haben wir befürchtet - könnte auch die Bremsanlage auslösen.

 

Zwar ist ein ABS an Bord, doch das bei Honda gängige "CBS" fehlt und am Vorderrad glänzt die zweite Bremsscheibe durch Abwesenheit.

 

Die Fahrerfahrung - dies vorweggenommen - zeigt jedoch, dass die Bremse hinreichend dimensioniert ist und gut dosierbar sowie standfest bei kurzen Bremswegen funktioniert.

Wesentliche Technische Daten und Kosten:

 

  • Motor:                     2-Zyl-Reihe, 745 ccm, 68 Nm bei 4.750 U/min,
                                    wahlweise 40 kW (54 PS)/35 kW (48 PS)
  • Höchstgeschw.:     168 km/h
  • Beschleunigung:     0 - 100 km/h ca. 5,5 sec
  • Getriebe:                6-Gang, automatisierte Doppelkupplung
  • Torque Control:      (Traktionskontrolle) umschaltbar "Straße"/"Gelände"/"aus"
  • Sitzhöhe:                830 mm (nicht höhenverstellbar)
  • Tank:                      14 l
  • Bereifung:              vorn 120/70-14, hinten 160/60-17
  • Gewichte:              230 kg (vollgetankt), Zuladung 209 kg

  • Wartung:               1x jährlich oder alle 12.000 km

  • Kaufpreis:              8.775 €    (2019, zuzügl. Überführung)

Honda NC750X DCT - eine schlanke und schicke Maschine!
Honda NC750X DCT - eine schlanke und schicke Maschine!

Weitere (Fahr-)Erfahrungen

Inzwischen (05/2020) sind mit "Little Daisy" gut 1.500 km im norddeutschen Flachland abgespult. Gelegenheit für ein erstes Fazit:

  • Motor/DCT-Getriebe:
    Der Motor ist auf hohes Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen ausgelegt. Und das funktioniert gut und harmoniert prima mit dem DCT-Getriebe. Bei 7.500 U/min setzt der Drehzahlbegrenzer ein. Feeling: "Pan light!" Im flachen Land, bei moderatem Tempo und Automatik-Modus "D" liegt der Verbrauch unter 3,5 l/100 km und erlaubt so Reichweiten bis ca. 400 Km - prima!
    Und es ist noch immer spannend auszuprobieren, ob die Elektronik es schafft, stets den richtigen Gang - und das möglichst ruckfrei - zur Verfügung zu stellen. Ja! Schafft sie! Das Getriebe schaltet vor Kurven/ Abbiegungen sinnvoll und sanft runter bis in den richtigen Gang und findet auch für Überholvorgänge den passenden Kraftschluss.
    Ob das auch im Gebirge klappt, ist von uns noch nicht erprobt. Sicher aber ist: Falls manuell eingegriffen werden muss/soll, funktioniert auch das sehr sanft und sehr schnell. Entweder über die Schaltwippen am Lenker oder über den nachgerüsteten Fußschalthebel. Das ist schon Klasse!
    Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass alle Fahrmanöver, die üblicherweise mit leicht schleifender Kupplung gefahren werden, jetzt eine leicht schleifende Fußbremse verlangen. Insbesondere mit der "Rechtswende" stelle ich mich da etwas doof an. Gaby kann das besser.
  • Ergonomie und "Fahrgefühl"
    Passt! Für Gaby mit ihren ca. 172  cm Körperlänge stimmen Sitzbankhöhe, Kniewinkel und Lenkerhöhe sehr gut. Dies gilt auch für die Position des verstellbaren Handbremshebels. Sitzbankhöhe und Lenkerposition sind serien-mäßig nicht veränderbar.
    Die stimmige Ergonomie und das Honda-typisch schlüssige Bedienkonzept erzeugt in Kombination mit dem ordentlichen Fahrwerk und langen Federwegen das Gefühl: Hier fühle ich mich wohl! Motor und Getriebe erzeugen ein für die Fahrzeugklasse ordentlichen "Punsh" und die Bremsen passen in ihrer Leistung ebenfalls zum modernen Fahrzeugkonzept.
  • Wärme, Wind- und Wetterschutz:
    Na ja - gar nicht so übel. Da aber Tourentauglichkeit im Vordergrund steht, geht es auch um warme Hände und Po, sowie verbesserten Wind- und Regenschutz bei usseligem Übergangswetter.
    Überhaupt: Ein Motorrad in dieser Anschaffungspreisklasse lässt viel Raum für individuelle Anpassungen oder neudeutsch "Pimp the Bike".
    Sehr viele Anregungen - Schwerpunkt "verbesserte Tourentauglichkeit" findet Ihr hier!
  • Etwas zu Meckern?
    Ja! Rollt das Motorrad mit ganz geschlossenem Gasgriff dahin (z. B. vor einer Abbiegung), so ergibt sich beim wieder Öffnen des Gasgriffes stets ein kleiner Ruck. Dies ist keine Erscheinung nur von Gabys Maschine. Die Vorführer hatten diese Eigenheit auch. Abhilfe wird wohl eher nicht möglich sein - bleibt nur, sich daran zu gewöhnen oder in einen "S"-Fahrmodus zu wechseln. Das beseitigt diesen Lastwechselruck praktisch vollständig.

Service-Ereignisse / Auffälligkeiten / Störungen

  • 11/2019 - Übernahme bei 3.000 Km
  • 02/2020 - 238 € Jahresinspektion, 3.400 Km
  • 04/2020 - Abschleppen, Werkstattaufenthalt bei 4.000 Km,
                       "Getriebe im 3. Gang fest". Durch Hin- und Herschieben bei
                       eingeschalteter Zündung wurde das Problem gelöst - leider jedoch
                       ohne klare Schadensdiagnose.
  • 08/2020 - km-Stand 5.300, Betätigungsknopf des Warnblinkschalters verloren.
                       Dazu muss die ganze linke Schalterarmatur gewechselt werden.
                       Garantie.

Bisheriges Fazit

Die Fahrerin hatte sich auch auf ihrer "Möhre" CBF600SA wohl gefühlt. Doch mit "Little Daisy" ist noch einmal eine Schippe mehr an Wohlgefühl und Besitzerstolz eingezogen.

Einen Dämpfer gab es durch das überraschende Liegenbleiben mit fest sitzendem 3. Gang, ärgerlicher Weise ohne dass die Störungsursache konkret ermittelt werden konnte.

 

Wir werden diesen Fahrbericht mit hoffentlich nur noch positiven Erkenntnissen zum Fahrbetrieb kontinuierlich fortsetzen.

 

Wer also interessiert ist: Immer mal wieder reinschauen!

 

 

Und wer an individuellen Verbesserungen interessiert ist, der schaut hier hinein!

 

 

"Little Daisy"
"Little Daisy"

 

 

Hinweis:
Die verwendeten Handelsnamen und Marken sind, auch ohne besondere Kennzeichnung, im Besitz der jeweiligen Firmen und unterliegen dem jeweiligen marken- oder patentrechtlichen Schutz.

 

 

Sehr geschätzte Besucher,

 

aus juristischen Bedenken und wegen der Spam-Gefahr ver- zichtet diese Page bewusst auf ein Gästebuch.

Kritik, Anregung, Lob und Tadel sowie Anfragen, nehmen wir jedoch gerne auf.

Bitte nutzen Sie das Kontakt-Formular.

 

Ihr "STOC Nord & Freunde"

Kontaktformular
Kontaktformular

RollOut:

Dez. 2011