Honda NC750X DCT

Vorstellung und Dauerfahrbericht

 

 

Redaktionsstand: 12.11.2019

Nach der schmerzlichen Trennung von ihrer schicken Honda CBF600SA "Travel Edition" (Fahrbericht hier), musste für Gaby etwas Neues her. Dazu erstellte sie das folgende Lastenheft:

  • nicht schwerer als die CBF (230 kg)
  • leicht zu manövrieren
  • Sitzhöhe so, dass sicherer Stand gewährleistet ist
  • Handgriffe nicht zu dick und Kupplungs-/Handbremshebel verstellbar
  • Ergonomie so, dass auch längere Etappen gut durchzuhalten sind
  • Tankreichweite mindestens 300 km
  • tourentauglicher Motor mit ordentlichem Drehmoment "von unten" und ohne Racer-Allüren
  • und so´n büschen hübsch sollte die Neue auch sein  ;-)

Nach einiger Recherche und auch animiert durch die positiven Berichte unserer Biker-freundin Karin D. steht sie nun seit dem 10.11.2019 in der Garage und soll hier vor-gestellt werden.

 

Vorstellung

Honda NC750X DCT
Honda NC750X DCT

Die Entscheidung fiel auf die

"Honda NC750X DCT".

 

Dabei steht das "X" in der Typbezeichnung für die "Soft-Enduro-Version".

 

"DCT" heißt "Dual Clutch Transmission" oder zu deutsch "Doppelkupplungsgetriebe".

 

Es handelt sich also um eine besondere Form des automatisierten Schaltgetriebes und wer das Bild genau betrachtet sieht:

kein Kupplungshebel, kein Schalthebel.

Bedient wird das DCT über die Lenkerarmaturen.

 

Links:

Manuelles Schalten mittels Drucktaster "+ / -". In jedem Fahrmodus kann die Automatik des Getriebes manuell übersteuert werden. Bei Motor "off" schaltet das Getriebe in "Neutral". Daher ist zum Parken im Gefälle auch eine Feststellbremse an Bord, die auf das Hinterrad wirkt.

Rechts:

Vorwahl für "Neutral", die Automatik-Modi "D / S1 / S2 / S3" und die rein manuelle Schaltung "MT". Der Schaltmodus kann während der Fahrt beliebig verändert werden.

Blick auf das "Dashboard"
Blick auf das "Dashboard"

Zwischen Scheibe und Lenker blickt die Fahre-rin auf ein durchaus schickes und reichhaltig bestücktes Anzeigepaneel, bei dem wir einzig eine Außentemperaturanzeige vermisst haben. In der Hintergrund- und Anzeigefarbe sowie in der Helligkeit sind die Anzeigen individuali-sierbar.

Gut zu sehen: Auch eine einstell-/abschaltbare Traktionskontrolle ist an Bord.

 

Die Abdeckscheibe macht einen etwas kratz-empfindlichen Eindruck. Im Zubehör sind Displayschutzfolien verfügbar.

Dort, wo man den Tank vermuten würde, hält die NC750 eine Überraschung parat:

Unter der Abdeckung mit der kleinen Reling zur Befestigung von Tankrucksäcken (Bild 1), befindet sich ein Staufach mit 22 l Rauminhalt (Bild 2). Da passt schon eine Menge für die kleine Tour hinein und das Fahrerhandbuch versteckt sich in einem Extrafach am Boden des Staufaches. Helme mit kleinen Außenschalen lassen sich dort werbewirksam unterbringen (Achtung: Kratzgefahr!, Bild 3). Mit Schuberth-Klapphelmen gelingt dies jedoch nicht.

Etwas unpraktisch: Zum Öffnen des Faches, muss der Zündschlüssel in das Staufach-schloss umgesteckt werden.

Von der Schwerpunktlage her eher ungünstig ist die Position der Batterie - vom Staufach aus zugänglich, direkt hinter dem Lenkkopf.

 

Auf der Suche nach dem Tank wird man unter dem Soziussitz fündig.

 

Hier ist der Einfüllstutzen. Der 14-l-Tank selbst befindet sich schwerpunktgünstig unter dem Fahrersitz. Im Fahrmodus "D" liegt der Verbrauch bei realistischen 3,5 l/100 km und ermöglicht mit dem kleinen Fässchen Reichweiten bis 400 km - prima!

Um eine günstige Schwerpunktlage bemüht, ist auch der weit nach vorn gekippte Reihen-2-Zylinder-Motor mit dem ebenso flach liegenden Getriebe.

 

Nicht so schön: Der kurze vordere Kotflügel, der Verschmutzung im Unterfahrschutz und Schmutz und Steinschlag am Kühler begünstigt. Dem werden wir mit einer Kotflügel-verlängerung und ggf. auch mit einem Kühlerschutzgitter entgegen wirken.

Für die Preisklasse unter 10.000 € ist die Bestückung mit einem Full-LED-Hauptscheinwerfer recht ungewöhn-lich.

Überraschend wird der Scheinwerfer jedoch in Foren als zu lichtschwach kritisiert.


ABS ohne "CBS" - nur eine Bremsscheibe
ABS ohne "CBS" - nur eine Bremsscheibe

Kritik - so haben wir befürchtet - könnte auch die Bremsanlage auslösen.

 

Zwar ist ein ABS an Bord, doch das bei Honda gängige "CBS" fehlt und am Vorderrad glänzt die zweite Bremsscheibe durch Abwesenheit.

 

Die Fahrerfahrung - dies vorweggenommen - zeigt jedoch, dass die Bremse hinreichend dimensioniert ist und gut dosierbar sowie standfest bei kurzen Bremswegen funktioniert.

Wesentliche Technische Daten und Kosten:

 

  • Motor:                     2-Zyl-Reihe, 745 ccm, 68 Nm bei 4.750 U/min,
                                    wahlweise 40 kW (54 PS)/35 kW (48 PS)
  • Höchstgeschw.:     168 km/h
  • Beschleunigung:     0 - 100 km/h ca. 5,5 sec
  • Getriebe:                6-Gang, automatisierte Doppelkupplung
  • Torque Control:      (Traktionskontrolle) umschaltbar "Straße"/"Gelände"/"aus"
  • Sitzhöhe:                830 mm (nicht höhenverstellbar)
  • Tank:                      14 l
  • Bereifung:              vorn 120/70-14, hinten 160/60-17
  • Gewichte:              230 kg (vollgetankt), Zuladung 209 kg

  • Wartung:               1x jährlich oder alle 12.000 km

  • Kaufpreis:              8.775 €    (2019, zuzügl. Überführung)

Honda NC750X DCT - eine schlanke und schicke Maschine!
Honda NC750X DCT - eine schlanke und schicke Maschine!

Fahrerfahrungen

12.11.2019

 

So kurz nach der Anschaffung beruhen die Fahrerfahrungen naturgemäß auf weniger als 500 km - hauptsächlich mit Probefahrt-Maschinen und im norddeutschen Flachland zurückgelegt.

Dennoch trauen wir uns ein erstes kleines Statement, was die Kernpunkte angeht:

 

  • Ergonomie:
    Passt! Für Gaby mit ihren ca. 172  cm Körperlänge stimmen Sitzbankhöhe, Kniewinkel und Lenkerhöhe sehr gut. Dies gilt auch für die Position des verstellbaren Bremshebels. Sitzbankhöhe und Lenkerposition sind jedoch nicht serienmäßig anpassbar.

  • Wind-/Wetterschutz:
    Na ja - gar nicht so übel. Da aber Tourentauglichkeit im Vordergrund steht, werden wir sicher schauen, ob es Verbesserungsmöglichkeiten gibt.

  • Motor:
    Er ist auf hohes Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen ausgelegt. Und das funktioniert gut und harmoniert prima mit dem DCT-Getriebe. Bei 7.500 U/min setzt der Drehzahlbegrenzer ein. Feeling: "Pan light!"

  • DCT-Getriebe:
    Das war natürlich spannend auszuprobieren, ob die Elektronik es schafft, stets den richtigen Gang - und das möglichst ruckfrei - zur Verfügung zu stellen. Ja! Schafft sie! Zumindest im Flachland schaltet das Getriebe vor Kurven/ Abbiegungen sinnvoll und sanft runter bis in den richtigen Gang. Ob das auch im Gebirge klappt, ist von uns noch nicht erprobt. Sicher aber ist: Falls manuell eingegriffen werden muss, funktioniert auch das sehr sanft und sehr schnell. Das ist schon Klasse! Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass alle Fahrmanöver, die üblicherweise mit leicht schleifender Kupplung gefahren werden, jetzt eine leicht schleifende Fußbremse verlangen. Insbesondere mit der "Rechtswende" stelle ich mich da etwas doof an. Gaby kann das besser.

 

  • Etwas zu Meckern?
    Ja! Rollt das Motorrad mit ganz geschlossenem Gasgriff dahin (z. B. vor einer Abbiegung), so ergibt sich beim wieder Öffnen des Gasgriffes stets ein kleiner Ruck. Dies ist keine Erscheinung nur von Gabys Maschine. Die Vorführer hatten diese Eigenheit auch. Abhilfe wird wohl eher nicht möglich sein - bleibt nur, sich daran zu gewöhnen.

Anders als in der Vergangenheit, bekommt das Motorrad ein 03-11-Saisonkennzeichen und geht deshalb zunächst ins Winterlager. Aber ein schöner Name ist für das dezente "Schnabeltier" bereits gefunden: Sie hört auf "Little Daisy"!

 

So: Nun hecheln wir dem Frühjahr entgegen, um Euch rasch weitere Erfahrungen zu dieser schicken Maschine in diesen Fahrbericht zu tippern!

 

"Little Daisy"
"Little Daisy"

 

 

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