230.000 km Honda ST1300 Pan-European   -   Fahrbericht

 

 

"Ein Fahrbericht zur ST1300?" mag sich der Leser dieser Seite fragen,

"Was soll das? Kennt doch schließlich jeder aus dem Bereich der "ST Owner Clubs" oder aus dem "Honda Pan-European-Forum."

 

Das ist ganz sicher richtig. Doch als Webmaster dieser Seite kann ich feststellen, dass die Zugriffe "von außerhalb" auf unsere Homepage stetig zunehmen. Auch die Anfragen, die ich erhalte, bestätigen diesen Trend.

 

Also will ich einige Sätze zu unserem - wie ich meine - immer noch schicken Tourer niederschreiben.

 

Dabei basieren meine persönlichen Erfahrungen auf drei Maschinen diesen Typs. (2002´er - 100.000 km; 2006´er - 60.000 km; 2009´er - 70.000 km)

Schauen wir der ST1300, die 2002 auf den Markt kam und damit die ST1100 ablöste unter das Blechkleid, so finden wir ein (Motor-)Herz, dessen Daten nach wie vor up-to-date wirken:

Aus 1.300 ccm werden 126 PS bei 8.000 U/min und respektable 125 Nm bei 6.000 U/min produziert. Das reicht trotz 326 kg (vollgetankt / 29 l) für den 100 km/h-Spurt in 3,0 Sek. (Testwert) und eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h (Werksangabe). Bei einem Verbrauch von eher unter 7 l/100 km sind tankrastfreie Etappen von 400 km möglich.

Auch die serienmäßigen 35-l-Seitenkoffer und das elektrisch verstellbare Windschild sind, ebenso wie das gesamte Design, "state of the art". Der Wind- und Wetterschutz sucht sowohl für den Fahrer als auch für den Sozius nach wie vor Seinesgleichen.

Gebremst wird über ein "Combined ABS" mit 3-Kolben-Bremszangen (vorne und hinten), das feinfühlig anspricht, gut dosierbar ist und moderate Handkraft verlangt, sodass auch Flachland gewöhnten Fahrern Hochgebirgstouren ohne Handkrampf gelingen.

Die Abgase entweichen über zwei geregelte Katalysatoren, die der EURO-Norm 3 genüge tun - und damit ist das Motorrad ab/seit 2017 nicht mehr erstzulassungsfähig. EURO 4 ist für neue 2-Räder gefragt.

Nicht mehr zeitgemäß sind auch die kurzen Wartungsintervalle von 6.000 km (oder jährlich). Ängstlichkeit ist - meiner Meinung und Erfahrung nach - jedoch nicht erforder- lich. Der Motor entspricht in seinen Kenndaten in etwa einem "normalen" Kleinwagen-motor. Und so behandele ich ihn (wartungstechnisch) auch. Heißt: Bei den bisher üblichen 25.000 - 35.000 km jährlich, geht mein Motorrad 1x jährlich im November zum Kundendienst - fertig!

Sollten trailerbedingt die Jahresfahrleistungen auf 10.000 - 15.000 km sinken, bekommt der Händler meine ST1300 nur noch 2-jährlich zu Gesicht.

Zu den Einstandskosten: Honda hat den Listenpreis von ehedem 17.450 € auf nun (in 2016) 15.490 € gesenkt. Dies zeigt meiner Meinung nach auf, dass das Produktions- ende der ST1300 nahe ist. Im Internet werden Neufahrzeuge derzeit ab ca. 13.000 € angeboten.

Aber nun zur Kernfrage: Wie fährt sich die ST1300 Pan-European?

Die Antwort auf diese Frage ist zunächst kurz und knackig:

Fährt sich exzellent handlich, kurvenwillig und behende!

Doch der Teufel steckt bisweilen im Detail. In sehr engen und langsam zu fahrenden Kurven/Serpentinen und beim Rangieren läßt sich das Gewicht nicht kaschieren. Und wer schon einmal beim Anhalten unachtsam war und Boden-senken übersah, der befand sich ruck-zuck in der stabilen Seitenlage. Auch beim Parken ist genaues Hinsehen gefragt: Leicht abschüssig vor einer Bordsteinkante halten... und hilfreiche Geister sind nötig, um da wieder rauszukommen.

Die ST1300 verfügt über einen vergleichsweise kurzen Radstand mit einem entsprechend steilen Lenkkopfwinkel. Dies dient grundsätzlich der handlichen Agilität, birgt jedoch die Gefahr, dass ein 2-Rad bei ungünstigen Einflüssen (Bodenwellen, Spurrillen, Luftstöße u. ä.) im Fahrwerk "nervös" werden kann, was dann - insbesondere bei geringer Beladung und hohen Tempi zum Entstehen von Eigenfrequenzen und zum berüchtigten Pendeln führen kann. Offenbar haben auch Fertigungstoleranzen auf diesen Effekt Einfluss, denn - egal welches Baujahr - haben nur wenige Motorräder diese Unart an sich. Honda hat durch Verbesserungen 1. an der Schwingenaufnahme und 2. durch eine geänderte Motoraufhängung dem entgegengewirkt. Kann man den Berichten anderer Fahrer glauben, ist diese Fahrwerksnervosität noch nicht bei allen Fahrzeugen völlig ausgemerzt.

Was mich angeht: Nicht häufig, aber doch recht regelmäßig, lege ich Etappen von 50 und mehr km im Höchstgeschwindigkeitsbereich zurück und war - toi, toi, toi - mit keiner meiner drei Maschinen vom Pendeln betroffen.

Was es sonst noch so an Rückrufen oder Produktverbesserungen im Produktionsleben der ST1300 gab, könnt Ihr hier nachlesen.

Was gibt es sonst noch zu berichten? Ok, die Ergonomie der Lenkerarmaturen passt und der Kniewinkel ist für mich ausgezeichnet. Meiner Sozia war der Kniewinkel zu spitz: Sie hat verstellbare Fußrastenhalter bekommen. Für den Fahrer rate ich, falls es mal nicht passt, von tiefergelegten Fußrasten ab. Das Motorrad setzt bei Schräglage einfach zu früh auf. Eher würde ich mit einer aufgepolsterten Sitzbank experimentieren. Apropos Sitzbank: Grundsätzlich gibt es angenehm viel und komfortablen Platz auf der ST1300. Die Seriensitzbank konnte uns mit ihrer glatten, flachen und "abschüssigen" Oberfläche nicht über zeugen. Wir haben dieses Übel mit einer Baehr-Sitzbank beseitigt.

Foto: Andreas K.
Foto: Andreas K.

Auf langen Gebirgstouren wurden mir Arme und Hand- gelenke etwas lahm. Dagegen bin ich mit einer moderat verändernden Lenkererhöhung vorgegangen. Wirkung: Die Handgelenke werden spürbar entlastet, auch mein Rücken empfindet dies als positiv. Nebeneffekt: Die im Dashboard ganz oben eingesetzten Blinkerkontrollleuchten sind jetzt für mich ohne Kopfbewegung sichtbar. Auf die an unserer ST1300 montierten zusätzlichen Blinkerkontrollen könnte verzichtet werden.

Apropos: Dashboard. Es ist grundsätzlich sehr gut ablesbar, vollständig bestückt und durchaus hübsch anzusehen. Mancher vermisst eine Ganganzeige. Und die rechts positio-nierten LCD-Anzeigen könnten bei Lichteinstrahlung etwas mehr Power vertragen.

Ein wenig rühmliches Kapitel ist das Schlusslicht. Während Scheinwerfer und Bremslicht tadelsfrei dimensioniert sind, ist das Schlusslicht der ST1300 - mit Verlaub - einfach nur grottenschlecht! Erfreulicherweise gibt es einfache (und preiswerte) Möglichkeiten, diesem Mangel abzuhelfen.

 

Tipps finden sich hier und hier.

 

Auch mit dem Serienfahrwerk bewegt man ein äußerst komfortables Motorrad, dass über feinfühlig ansprechende Dämpfer (hinten manuell verstellbar) verfügt. Die ST1300 überzeugt auf jeder Art von Fahrbahnbelag - auch auf dem schlechtesten. Off-road-Einlagen sollte man aber ihr und sich selbst ersparen.

1-Ltr-Flasche gut zur Hälfte im Schlagloch
1-Ltr-Flasche gut zur Hälfte im Schlagloch

 

Apropos Offroad: 2011 war ich mit meiner 2002´er Maschine auf den berüchtigten Straßen Rumäniens - Schwerpunkt Karpaten - unterwegs. Eine Wegstrecke, die - wie ich behaupte - im Faktor 7 an den Maschinen zerrt. Also: 3.500 Rumänien-km zählen wie 25.000 km auf unseren (schlechten) Straßen. Das hat sie im hohen Km-Alter von 90.000+ klaglos weggesteckt!

Damit bin ich bei der Verarbeitungsqualität. Die liegt ganz sicher eher über der der Mitbewerber. Korrosion ist kein Thema (ich vermeide allerdings "Salzfahrbahnen" wie der Teufel das Weihwasser), klappernde oder abbrechende Kunststoffteile ebensowenig. Verheimlicht soll aber nicht werden, dass manches Detail, das der Eigner normalerweise eher nicht zu sehen bekommt, über die Baujahre "verbilligt" wurde. Auch neigen die Lacke jüngerer Baujahre ein wenig zum Verblassen. Auf 230.000 km mit diesem Motorradtyp wurden wir von drei Defekten heimgesucht: Eine Batterie, ein Stopplicht-schalter und ein - leider deftiger - Schaden am Kardanantrieb.

 

Unter´m Strich:

Ich mag mein Motorrad !

Es ist schick anzusehen, superbequem, allwettertauglich und hat mich in acht Jahren niemals wirklich enttäuscht.

 

Egal, was ich in dieser Zeit auch ausprobiert habe, das Statement war immer gleich:

"Ich wollen zurück auf "meine Pan", da bin ich zuhause!"

 

Ergänzung im November 2017:

 

Inzwischen steht anstelle der Pan eine BMW R1200RT im Stall.

Der Wechsel erfolgte ausschließlich, weil mir die Pan zu schwer wurde

und 50 - 60 kg Gewicht eingespart sind.

Ob die BMW an die Pan heranreicht? Bisher habe ich da noch so meine Zweifel...

 

Einen ersten BMW-Fahrbericht findet Ihr hier.

 

 

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