2. Teil

 

Die Qual der Wahl

oder

Vom Dunkel ins Licht

Hatte ich im 1. Teil erwähnt, dass man Wohnmobile von der Größe her in 3 Kate-gorien aufteilt?

 

"Kastenwagen" sind die 1. Kategorie. Derzeit handelt es sich bei den Kastenwagen überwiegend um den Fiat Ducato oder seine baugleichen Brüder, den Citroen Jumper und den Peugeot Boxer. Vom Fiat unterscheiden sich letztere nur durch andere Motorisierungen. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen nackten, im Rohbau befindlichen Transporter, den die verschiedenen Anbieter dann im Inneren unterschiedlich ausbauen. Der Vorteil des Kastenwagens ist seine schmale Breite. Sie beträgt nur 2.050 mm + Spiegel. Ein Nachteil ist jedoch sein relativ hohes Leergewicht, bedingt durch die äußere Metallhülle. Seit Neuestem werden auch VW Crafter, der baugleiche MAN TGE und Mercedes Benz Sprinter als Ausbaufahrzeuge verwendet.

"Teilintegrierte“ bilden die zweite Gruppe. Hier wird vom Fahrzeughersteller ein Chassis mit fertiger Fahrerkabine angeliefert. An diese Kabine baut dann der jeweilige Hersteller den Wohnraum an. Diese Fahrzeuge sind weit verbreitet. Sie gibt es auch mit einem Alkoven (ein separater Raum über dem Fahrerhaus, in dem man zusätzlich nächtigen kann). Teilintegrierte sind breiter als Kastenwagen.

"Vollintegrierte Wohnmobile" gehören zu den größten Brocken. Hier wird ein Chassis zum Ausbau angeliefert, es gibt KEINE separate Fahrerkabine. Der vordere Bereich des Fahrzeuges wird mit einer Windschutzscheibe versehen, hinter der sich das Armaturenbrett befindet. Der restliche Bereich wird zu Wohnzwecken durch den Hersteller ausgebaut. Außen werden dann Wände, oft in Sandwichbauweise, eingesetzt. Die großen Vollintegrierten sind u. a. für Familien bis zu 6 Personen geeignet und bieten allen erdenklichen Komfort. Z. T. bis zur Mitnahmemöglichkeit eines separaten PKW in der „Garage“ des Wohnmobils. Typische Vertreter dieser Größenordnung werden z.B. von den Firmen MORELO oder CONCORDE gebaut. Diese Fahrzeuge können die Größe eines kleinen Reisebusses erreichen und fahren sich dann auch so... So ein Fahrzeug kostet sehr leicht einen 6stelligen Betrag, wobei vorne dann meist KEINE „1“ mehr steht...

Diese kleine Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll nur der grundsätzlichen Unterscheidung dienen.

Schön war, dass auch Anna Maria die Idee begeisterte und wir so das Projekt gemeinsam in Angriff nahmen.

Von vornherein war für uns klar, dass es ein Kastenwagen werden sollte. Und damit begann dann die Qual der Wahl. Zuallererst mussten wir uns einmal über die Maße des Fahrzeuges klar werden. Der Fiat Ducato wird in unterschiedlichen Größen ausgebaut, sowohl was die Länge des Fahrzeuges als auch die Höhe betrifft. Für uns war schnell klar, dass wir mit dem sog. „H2 Dach“ gut bedient waren, es handelt sich hierbei um eine „normale“ Dachhöhe. Die Innenhöhe unseres Fahrzeuges beträgt knapp 2 Meter, die Gesamtaußenhöhe des Fahrzeuges liegt bei ca. 2,60 Meter. Großgewachsene Menschen greifen zum „H3-Dach“, die Höhe wächst dann um ca. 15 cm. Wie gesagt: Für uns ist das „H2 Dach“ vollkommen ausreichend und optisch gefällt es uns auch viel besser!

Der nächste Punkt, den es klären galt, betraf die Fahrzeuglänge. Der Ducato und seine Brüder werden in Außenlängen ab 5,00 m (in Stufen: 5,40/6,00 m) bis 6,40 m angeboten. 5,00/5,40 m schieden für uns von vornherein aus.

Die 6,00 m-Variante hat im Heck zu 99 % ein „Querbett“ verbaut, d. h. man schläft nebeneinander quer zur Fahrtrichtung. Platz ist immer genügend vorhanden. Wenn man jedoch nachts einmal ein Bedürfnis hat, muss ein Partner immer den anderen überklettern, um zum stillen Örtchen zu gelangen… das mag anfangs vielleicht mal ganz lustig sein, würde UNS aber auf Dauer nerven! Die 6,40 m-Variante hat dagegen fast immer Längsbetten verbaut, wie man es auch von zu Hause kennt. Viel bequemer! Etwas anderes kam für uns nicht in Frage! Ein 6,00 m-Fahrzeug ist zwar geringfügig handlicher, aber das war für uns eher nebensächlich. Das Chassis ist identisch, der 6,40´er steht hinten halt weiter über und bringt einen großen Vorteil mit: Im Kofferraum, der sog. „Garage“, stehen 40 cm mehr Laderaum zur Verfügung. Und zwar auf voller Breite des Fahrzeuges! Hier lassen sich bei Bedarf etliche Kisten und andere Dinge zusätzlich unterbringen. Also – ein 6,40 m-Kastenwagen mit H2-Dach sollte es werden!

Noch "nackter" Kastenwagen - Peugeot Boxer, 6,40 m, Dachhöhe "H2"
Noch "nackter" Kastenwagen - Peugeot Boxer, 6,40 m, Dachhöhe "H2"

Nun begann der „einfache“ Teil (Ironie-Modus an… J ).

 

In diesem Segment gibt es mindestens 40 Hersteller mit hunderten von unterschied-lichen Modellen, mit unterschiedlichsten Ausstattungskonzepten, Innenraumdekors, Heizungen usw. usw. ... Die besagte Qual der Wahl.

Und natürlich auch zu unterschiedlichsten Preisen. Begann die „Holzklasse“ so ungefähr bei 35.000 €, waren nach oben hin (fast) keine Grenzen gesetzt. Fahrzeuge mit z.B. Mercedes Chassis, von Manufakturen gebaut, erreichen schnell auch mal sechsstellige Beträge. Große Anbieter von Kastenwagen sind z.B. Firmen wie HOBBY, HYMER, WEINSBERG, ADRIA, die PÖSSL Gruppe mit ihren Ablegern, etliche andere Anbieter und auch viele kleinere Manufakturen.

Wir wälzten unzählige Prospekte, verglichen Ausstattungen und Preise und besichtig-ten natürlich zig Fahrzeuge, sowohl von innen als auch von außen. Wir stellten hierbei teilweise erhebliche Unterschiede fest. Gefiel uns ein Fahrzeug, war es z. B. nur mit Gasheizung lieferbar. Die von uns priorisierte Dieselheizung war längst nicht bei allen Herstellern lieferbar. Den Klassiker, nachts um drei Uhr… „Schatz, Gas ist alle, es wird kalt! – kannst Du mal die Flasche wechseln“... wollten wir uns ersparen.

Wir besuchten mehrfach alle gängigen Fachmessen, um uns kundig zu machen. Und wir waren uns auch beide darüber einig, dass wir auf keinen Fall „wohnmobil weiss“ als Außenfarbe haben wollten.

Letztlich kam bei uns in die engere Auswahl ein Fahrzeug der Firma CLEVER, ein „Runner 636“. Dieses Fahrzeug ist zwar innen eher einfach gehalten, jedoch kann man bei der Ausstattung alle möglichen Optionen auswählen, so auch eine Diesel-heizung und vieles anderes mehr. Und der Preis ist dann auch noch relativ stimmig. Jedoch stand bei dem Händler zufällig auch ein Fahrzeug einer anderen Marke - von der slowenischen Firma MegaMobil.

Frisch angeliefert: Der Kastenwagen Peugeot Boxer vor den Toren von MegaMobil
Frisch angeliefert: Der Kastenwagen Peugeot Boxer vor den Toren von MegaMobil

Den Namen hatten wir zwar schon einmal gehört, uns bisher jedoch nicht näher damit befasst.

Dieses Fahrzeug war um ca. 6.500 € teurer als der CLEVER. Wo wir schon einmal dort waren, warfen wir auch einen Blick in dieses Fahrzeug – und waren sofort fasziniert. Was für eine tolle, gediegene Innenausstattung!

Viele Anbieter von Kastenwagen verkleiden die Blechwände mit Plastikabdeckungen. Mal mehr, mal weniger schön anzusehen. Der ein oder andere packt noch eine Isolierung dazwischen, andere hingegen nicht. Das kann sich dann bei kalter Witterung schon mal bemerkbar machen. Viele Besitzer isolieren das Fahrzeug später nach.

Hier jedoch waren alle Innenwände und auch die Innentür vollständig mit hochwertigen und tollen Stoffen bezogen! Dies wurde ergänzt durch die hochwer-tigsten Fahrer- und Beifahrersitze und eine tolle, super bequeme Sitzbank. Hatte ich so vorher niemals gesehen. Der Händler erklärte uns, dass MegaMobil eine Tochterfirma der Firma MegaTekstil Slowenien sei, die sich seit Generationen mit der Herstellung von hochwertigen Stoffen beschäftigt.

Im Fahrzeug befand sich außerdem ein ganz tolles Bad mit einer Plexiglastür, die die Dusche vom übrigen Sanitärbereich abtrennt. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im Kastenwagenbereich! Wir waren geflashed. So etwas Tolles hatten wir bisher noch nicht gesehen!

Zu Hause ließen wir uns das Ganze in Ruhe nochmals durch den Kopf gehen und kamen beide schnell zu der Überzeugung, dass der Mehrpreis für das MegaMobil gut angelegt sei. Wir entschieden uns daher für einen MegaMobil „Sport 640“, in der Farbe „Eisengrau metallic“ auf Peugeot Boxer Basis. Mit unserer Wunschkonfigu-ration wurde er im Februar 2019 beim Händler in Schwelm geordert. Lieferzeit ungefähr 1 Jahr. Damals gab es nur 3 MegaMobil-Händler in Deutschland, Schwelm war für uns die nahegelegenste Adresse.

Hier entsteht die Inneneinrichtung:

Von vornherein war jedoch klar, dass wir die übrigen Ausbauten wie SAT-Anlage, Solar-Panel usw. bei einem Betrieb vornehmen lassen würden, der sich ausschließlich hierauf spezialisiert hat. Was wir dort alles erledigen ließen und wie das Auto sich dann final ausgerüstet präsentiert, verraten wir dann im nächsten Teil und zu dem geht es hier entlang.

 

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Dez. 2011