In sieben Wochen mit der MS "Hamburg" um die halbe Welt

 

 

09.11. - 21.12.2016

 

 

 

Hallo STOC Nord,

 

nun habe ich also Urlaub.... 6 Tage „Resturlaub“ von 2015 und danach nehme ich dann nahtlos die 527,5 Überstunden, die sich als BAMF-Mitarbeiter angehäuft haben. Vor 2017 werde ich nicht wieder im Dienst sein.

 

Was mache ich in dieser Zeit?

 

Relaxen natürlich, nachdenken, gammeln, abhängen :-) ?

 

Ich hatte mir sowieso vorgenommen, nach Beendigung der BAMF-Zeit zu verreisen. Eine individuelle Motorradreise, z.B. nach Andalusien wäre z.B. recht. Da war ich auch schon einmal. Aber andererseits ist das auch anstrengend... man fährt jeden Tag hunderte Kilometer, sieht natürlich sehr viel, aber kann und darf am Ende des Tages auch schon mal kaputt sein.

 

In diesem Fall wollte ich mal etwas GANZ ANDERES machen.

 

Wer mich kennt weiß, dass ich als gelernter Schiffsmakler und Seehafenspediteur – und als Norddeutscher :-) - eine Affinität zu Schiffen habe. Ich habe mich daher entschlossen, eine Seereise zu machen, und zwar eine etwas längere. Nun sind so Schiffe mit mehreren tausenden Passagieren nichts für mich, und ich benötige auch definitiv KEINE 10 Restaurants und 20 Bars an Bord sowie Animation „rund um die Uhr“. Ich reise lieber gemütlicher und in etwas kleinerem, aber auch gerne individuellerem Format.

MS "Hamburg"
MS "Hamburg"

So bin ich bei meinen Recherchen auf ein kleines, aber feines Schiff gestoßen, was mir außerordentlich gut gefällt. „MEIN SCHIFF“ heißt nicht so und auch nicht „AIDA XXX“ oder MSC …. sondern einfach M/S „HAMBURG“. Schon der Name ist mir als bekennendem Hanseaten sympathisch! Das Schiff nimmt so maximal um die 350 Passagiere mit, hat 2 sehr gute Restaurants an Bord, eines trägt den Namen „Alsterblick“, eine der 3 Bars heißt „Hamburg-Lounge“. Ich habe eine sehr schöne Außenkabine gebucht, die Reise beginnt am 09. November in Piräus/Athen und endet ein paar Tage vor Weihnachten.

Ich hatte vor einiger Zeit in Kiel die Möglichkeit, das Schiff vor Ort zu besichtigen und habe dort auch gegen Entgelt an Bord eines der Restaurants bereits testen können. Ich hatte die Reise aber schon vorher gebucht, und meine Erwartungen und Eindrücke wurden bei diesem Besuch auf das Angenehmste bestätigt.

Ich werde auf meiner Route zuerst nach Kalamata/Peleponnes reisen, nach einem Seetag erreichen wir dann Palermo, dann geht es nach Sardinien. Von dort aus auf die Balearen nach Menorca und nach Ibiza und dann in Richtung spanisches Festland nach Almeria. Von dort aus dann nach Tanger und Casablanca in Marokko, um dann anschlies- send nach einem Seetag Lanzarote und Teneriffa auf den Kanaren anzulaufen. Weiter nach El Hierro und nach La Palma und La Gomera. Danach verlassen wir die Kanaren und steuern nach 2 weiteren Seetagen die Kapverdischen Inseln an, wo wir der Reihenfolge nach Sao Vicente, Santo Antao, Sao Nicolau, Boavista, Maio, Fogo und last but not least Santiago auf den Kapverden anlaufen werden. Danach ist aber noch nicht Schluss.... :-) … wir überqueren anschließend in 5 Tagen den Atlantik [incl. Äquatortaufe :-) ], um dann in Natal/Brasilien anzukommen. Weiter geht’s danach nach Recife und dann wieder 2 Tage auf die hohe See, um danach in Rio de Janeiro festzumachen. Danach wird Itajai in Brasilien angelaufen, und nach 2 weiteren Seetagen erreichen wir dann Buenos Aires in Argentinien. Dann ist's „aus die Maus“ und es geht per Flug von Buenos Aires in 19 Stunden zurück nach Hamburg.

 

Soweit zur Route. Ich werde auf der Reise sehr viel relaxen, das vergangene Jahr Revue passieren lassen, nachdenken, viel lesen... entspannen...auch gut essen :-) ... und Landausflüge mitmachen, wenn ich es denn möchte. Denn wenn man schon mal in Rio de Janeiro ist, sollte man sich die Stadt vielleicht auch mal anschauen... :-)

Ich habe eine Doppel-Außenkabine zur Alleinnutzung gebucht, und das hat auch seine Gründe. Bevor nun die Ladies in die Tasten hauen... ich habe mindestens schon 10 Anfragen von netten Damen erhalten, die mich unbe- dingt begleiten wollen :-) :-) :-)   Aber alle abschlägig beschieden. Denn wenn mich jemand begleiten würde, dann wäre das ausschließlich meine Herzensdame :-) Die aber bekommt leider nicht so viel Urlaub und auch nicht zu diesem Zeitpunkt, insofern mache ich die Reise alleine. Zwar schweren Herzens, aber dennoch freue ich mich schon sehr auf die Reise.

Und nach dem vergangenen Jahr glaube ich auch sagen zu dürfen, frei nach TUI: „Sie haben es sich verdient“ :-)

 

Ich werde ab und an mal ein paar Bilder „von unterwegs“ schicken, aber nicht regelmäßig. Denn zum „Abschalten“ und Erholen gehört für mich auch der Verzicht auf das Internet.

 

Also, bleibt mir in der Zwischenzeit gewogen.... und der Plan ist, dass wir uns beim JahresabschlussSTammtisch wiedersehen.

 

Bis dahin, viele Grüße und eine schöne Adventszeit für alle.

 

Thorsten

Die Reise - 1. Abschnitt bis zu den Kapverdische Inseln

 

Liebe Familie und Freunde,

 

erst heute nun erstmalig ein paar Grüße von meiner Reise. Dieses ist dem Umstand geschuldet, dass wir hier auf dem Schiff zwar eine Internetverbindung haben, diese aber über Satellit läuft und somit nicht immer – eher recht selten – zur Verfügung steht. Wenn es denn einmal klappt, ist es zudem recht teuer... 5 Stunden kosten EUR 33,00. Hört sich nicht soo teuer an.... allerdings benötigt der Einwahlvorgang und das Öffnen von emails oft schon 20 – 30 Minuten!

 

Wie auch immer... die Reise ist sehr schön! Die M/S „Hamburg“ ist ein kleines (144 m lang), aber auch feines Schiff. Der Service an Bord ist ausgezeichnet, das Essen verdient jederzeit 5 Sterne PLUS. Meine Kabine ist 15 qm groß und mit einem sehr grossen, rundem Bullauge versehen... besonders abends sehr schön, man hat sehr oft Blick auf den Sternenhimmel und natürlich auch das Meer und vorbeiziehende Schiffe.

 

Aber aufgrund der geringen Größe gibt es auch ein paar Nachteile zu verzeichnen. Ich persönlich empfinde dieses NICHT als einen Nachteil, aber man merkt definitiv, dass man sich auf einem SCHIFF befindet, und nicht auf einem doppelt so langen, 16 Decks hohen „Wohnkomplex auf See“ mit 4.000 Passagieren. Auf der „Hamburg“ sind derzeit (ohne Crew) 279 Personen an Bord. Morgen werden es viel weniger werden, der 2. Reiseabschnitt geht zu Ende, viele gehen von Bord, nur wenige folgen nach – bedingt durch die vielen Seetage der Atlantiküberquerung und die Weihnachtszeit. Die Anschlussreise danach, Fahrt durch die Antarktis, ist hingegen komplett ausgebucht! Und das, obwohl 14 Tage über 6.000 € kosten.... in einer Innenkabine!

 

Also, was sind die Nachteile des Schiffes?

 

Seegang... rollen, schaukeln, usw.... Vor der Hafeneinfahrt von Menorca hatten wir Windstärke 10 und konnten den Lotsen nicht an Bord nehmen, an eine Einfahrt in den Naturhafen war nicht zu denken! Ich als halbwegs kundiger „Seemann“ habe das auch sofort gesehen! Und der Kapitän Igor Gaber, ein Ukrainer, ist sehr verantwortungs-bewusst („Safety first!), hat abgedreht und wir sind weitergefahren. Das Gleiche ist auf den Kapverdischen Inseln passiert, wo wir auf Reede lagen und das Ausbooten per Tenderschiff passieren sollte. Einige Tische des Pooldecks kamen ins Rutschen, Gläser, Teller usw. landeten nicht nur auf dem Boden sondern auch im Pool.... einige ältere Semester bekamen da auch Panik, ich fand's eher amüsant.... :-) Der Seegang bzw. der Schwell waren so hoch, dass von der Schiffsluke bis zum Tenderboot ein Höhenunterschied von 2 – 3 Metern herrschte! Die überwiegende Anzahl der Passagiere sind allerdings vom Alter her 70+, so dass es unmöglich war, in den Tender zu gelangen! Auch hier entschied der Kapitän, die Reise zur nächsten Insel fortzusetzen.

 

Heute sind wir auf Reede vor Fogo, der „Feuerinsel der Kapverden“. Auch hier war das Tendern mehr als grenzwertig, aber man entschied sich heute dazu, es trotzdem zu wagen. Eine Anzahl von Passagieren allerdings – mich eingeschlossen – blieb, wie auch gestgern, an Bord. Die Temperatur beträgt im Moment zwischen 35° – 40° C. Bei einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit, man kann kaum atmen. Einige ältere Passagiere bedurften schon der Hilfe der beiden Bordärzte, Kreislaufkollaps, dicke Beine usw.... Ich habe einige Inseln hier gesehen und Ausflüge gemacht und kann mir nun ein Bild über die Kapverden machen, ich bleibe dann lieber an Bord, denn hier ist es etwas erträglicher...

 

Morgen Abend geht es dann auf den Atlantik, und zwar für 4 Tage und Nächte – incl. Äquatortaufe :-) Danach sollten wir dann in Recifé in Brasilien ankommen, dann geht’s weiter nach Rio de Janeiro und nach Argentinien. Dabei haben wir, nur auf diesem Abschnitt, noch 10 Seetage vor uns!

 

Die Reise ist wirklich sehr schön, und man sieht auch sehr viel. Auch habe ich hier nette Leute an Bord kennengelernt, langweilig wird es hier nicht. Aber 42 Tage an Bord sind schon eine Ansage! Und danach reicht es auch – und ich bin dann auch froh, wieder zu Hause bei den Lieben zu sein.

 

Bis dahin, viele Grüße an alle bei z.Zt. + 37° C von Fogo, Kapverdische Inseln.

 

Thorsten

 

 

Bilder dazu:

 

1. Palermo

 

2. Cagliari und Nora

 

3. Ibiza

 

4. Tanger

 

5. Casablanca

 

6. Lanzarote

 

7. La Gomera

 

8. La Palma

 

9. Soa Vicente

Die Reise - 2. Abschnitt: Über den Äquator bis nach Natal

Webmaster:

"Wenn ich die strammen Krankenschwestern mit ihrer Monsterspritze betrachte...

Da hat sich der "Brasilianische Schlammspringer" am Äquator

aber einen gewaltigen Einlauf abgeholt..."

 

Rote Daisy: " Aua, aua!"

Auf nach Natal - Brasilien

3. Advent – Südatlantik, auf dem Weg nach Rio de Janeiro

Liebe Freunde,

 

viele Grüße von hoher See und einen schönen 3. Advent für alle!

 

Wir befinden uns derzeit auf dem Südatlantik und haben den zweiten von insgesamt drei Seetagen, wir befinden uns auf dem Weg nach Rio de Janeiro. Am 08.12. durften wir bereits Natal (= portugiesisch die „Weihnachtsstadt“) und einen Tag später dann Recifé kennen lernen. Natal hat ca. 850.000 Einwohner, die Angaben für Recifé schwanken zwischen 2 – 3 Millionen Einwohner, wie uns unser perfekt deutsch sprechender Fremdenführer im Bus erklärte. Kein Wunder, stammt der Mann doch ursprünglich aus Bad Schwartau... die Welt ist klein! :-) Ich hatte keinerlei Ahnung, was mich in beiden Städten erwarten würde... und musste meine dennoch vorab existierenden Vorstellungen komplett revidieren! In beiden Städten wird das Stadtbild von Wolkenkratzern beherrscht, teilweise schon älter, aber zum größten Teil hypermodern! Die Gegensätze sind hier sehr krass, besonders in Recifé. Es gibt sehr, sehr wohlhabende Leute... es gibt auch unglaublich REICHE Leute... und es gibt auch eine Vielzahl von Menschen, die in Favelas (schreibt man das so...?) auf dem Wasser in Wellblech- und Holzhütten leben! Die Kriminalität ist nicht zu unterschätzen. Es kann schon vorkommen, dass einen von Klebstoffdämpfen bekiffte Jugendliche, mit einem Trommelrevolver bewaffnet, überfallen. JEDER Wachmann-/frau ist hier MINDESTENS mit einer Schusswaffe ausgerüstet, manchmal auch zusätzlich mit einem Gewehr. Wie im übrigen auch die Polizei, das ist hier ein ganz normaler Anblick. Wie ist hier das Wetter...? Zur Zeit ist hier Sommer, und es ist heiß... richtig heiß! D.h. Minimum 30 Grad, eher mehr. Dazu kommt dann eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit von weit über 80 % …. für uns Europäer sehr gewöhnungsbedürftig, für mich ist das auf Dauer absolut nichts! Recifé hat zusätzlich zur postmodernen City ebenfalls eine Altstadt mit historischen Gebäuden, sie heißt „Olinda“. Sehr schöne Gebäude aus der portugiesischen Kolonialzeit, allerdings auch teilweise sehr heruntergekommen... das wird ein bisschen „geschmeichelt“ durch das ewig schöne Wetter. Wie uns der Guide erzählte, hat man hier an 360 Tagen im Jahr Sonne....

 

Als zweites schicke ich – sozusagen „hinterher“ - auch noch ein paar Bilder von den Kapverdischen Inseln, wo wir vorher waren. Sie befinden sich ja im Atlantischen Ozean westlich vor Westafrika, auch dort ist es heiß. Die Kapverden sind ein Schmelztiegel aus europäischer Vergangenheit und afrikanischer Gegenwart und waren früher der Hauptumschlagsplatz für die Sklaven aus Afrika. Heutzutage gibt es auf den Inseln keinerlei Rassismus, und darauf sind die Kapverden mit Recht stolz! Alle Bevölkerungsschichten und Konfessionen leben hier friedlich zusammen. Das Leben ist eher ärmlich, die Kindern betteln dort auch. Dennoch herrscht dort schon eine karibische Leichtigkeit, die Menschen leben dort in erster Linie vom Fischfang und von der Agrarwirtschaft, so werden dort u.a. Bananen, Ananas und weitere zahlreiche Früchte angebaut. Leider hat die Regierung der Kapverden ein Abkommen mit China geschlossen mit der fatalen Folge, dass sich nun ganze Flotten von chinesischen Fischtrawlern vor der Küste das Meer leer fischen und die einheimischen Fischer kurz vor dem Ruin stehen. „Bezahlt“ wird das Ganze dann zusätzlich mit chinesischem „Billigplunder“, man findet in den heimischen Geschäften fast ausschließlich diese Artikel, und die wenigen heimischen Handwerker und Produzenten gehen zu Grunde... eine ganz schlimme Entwicklung.

 

Dennoch, auch ein paar Bilder von den Kapverden anbei.

 

Viele Grüße an alle Daheimgebliebenen, die Bilder kommen in mehreren „Tranchen“, es sind doch einige..... :-)

 

Grüße vom Südatlantik

Thorsten

 

1. Natal

 

2. Recifé

13. Dezember - Rio de Janeiro ist erreicht

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