Der Airtrailer

 

 

Redaktionsstand: 26.03.2017

 

Als die Entscheidung für einen Motorradtrailer gefallen war, stand die zu beantwortende Frage im Raum, wie er denn beschaffen sein soll.

Das Lastenheft:

  • An erster Stelle: Muss von einer Person gefahrlos zu be-/entladen sein
  • An zweiter Position: Platzsparendes Abstellen bei Nichtgebrauch
  • "Tempo 100"-Zulassung
  • gute Fahreigenschaften
  • Geeignet für nur ein Mopped ist ausreichend
  • "Bezahlbar" - was auch immer das in konkreten Zahlen heißt

Wegen unserer Priorität "gefahrloses Be-/Entladen" standen schnell die absenkbaren bzw. kippbaren Trailer im Fokus. Da gibt es durchaus preislich attraktive Angebote, gebremst, breite rutschsichere Plattform und - soweit im Neuzustand erkennbar - auch robust. Doch bei keiner beäugten Variante ließ sich unser Platzproblem lösen.

Also Blick auf die zerlegbaren Anhänger. Das erschien als ein zuviel an Bastelaufwand und vor allem: keiner vermittelte das Vertrauen, dass er noch in der 4. Saison stabil und damit gut in den Fahreigenschaften ist. Auch deren Zurrmöglichkeiten erschienen für ein 330-kg-Motorrad eher dürftig.

Dann stolperten wir über den "van Vossen", der äußerst geeignet erschien, die Wünsche zu erfüllen... und mussten feststellen: Wird nicht mehr gebaut. Auf dem Gebrauchtmarkt: Fehlanzeige.

Aber unsere Mienen hellten sich auf, als wir erkannten: Die Absenkautomatik mit der genialen Luftfederung war offenbar zu einer neuen Herstellerfirma gewandert und das Produkt heißt jetzt "Airtrailer", in unserem Falle Airtrailer "Mono" für ein Mopped. Gibt es auch als "Duo" für zwei Motorräder.

 

Airtrailer Mono:

  • Hersteller: Bomark
  • ungebremst
  • Leergewicht: 150 kg, zul. Gesamtmasse: 600 kg
  • Länge: (Offene Klappe) 2,62 m, Breite: 1,70 m, Höhe (aufgerichtet): 2,23 m

  • Kosten (Stand: 01/2016)
           2.649 €   
   Typ "Mono", zuzüglich
80 €       Deutscher Fahrzeugbrief, erforderlich zur Zulassung
25 €       "Tempo 100"-Zulassung
110 €       Kompressor Luftfederung
110 €       "Steady-stand"-Aufnahme für das Vorderrad (verstellbar)
95 €       Stützrad und Stützradkonsole
95 €       Rerseverad
50 €       Trägerplatte "100 km/h"-Schild
25 €       Schloss zur Diebstahlsicherung
25 €       Kennzeichenträgerplatte
0 €       Adapter 13-polige Anhängersteckdose
   
3.264 €       Fahrzeuganschaffung
   
     zuzüglich Überführung, Zulassung und Gurtesatz

 

Tja Leute, bei dem Preis war erst einmal Zeit der Besinnung notwendig, um die Schnappatmung abklingen zu lassen. Diese Zeit wurde genutzt, um nach einem Gebrauchtfahrzeug auszuspähen. In Luxemburg wurden wir mit einen 1,5 Jahre alten Trailer für 1.800 T€uronen fündig.

 

 

 

 

 

Hier ist sehr gut zu sehen, dass der Trailer unbeladen sehr kurz baut. 2,23 m. Gewöhnungsbedürftig ist bei Rückwärts-fahrt die besonders kurze Deichsel. Heißt: Das Fahrzeug schlägt extrem schnell ein.

 

 

 

 

 

Das Heck des Trailers senkt sich zum Be-/Entladen vollständig zur Fahrbahn ab. Auch die Steigung, die die Transportfläche bildet, ist sehr kommod. In Kombination mit der Vorderradhalterung ist das Verladen recht problemlos.

Mit den oberen Bildern wird das Anschlagen gezeigt. Als geborener "Schisser" habe ich bisher auf beiden Seiten je drei Befestigungspunkte gewählt (je zwei reichen bestimmt aus). Hinten am Rahmen (die Koffer müssen nur zur Gurtmontage abgenommen werden), mittig am Sturzbügel und vorne an der unteren Gabelbrücke. Die vorderen Befestigungspunkte am Trailer musste ich nachrüsten. Die aktuell ausgelieferten Fahrzeuge haben im vorderen Bereich zwei weitere Bestigungspunkte serienmäßig und sind nun auch in diesem Punkt komplett.

Im Bereich des Motorradhinterrades habe ich zwei Führungsschienen montiert (Wirkung wie die "Standschiene" bei anderen Anhängern), die ein seitliches Auswandern des Hinterrades auf schlechter Wegstrecke unterbinden. Das Motorrad fällt dabei sicher nicht um. Aber für die ggf. dann vorne auftretenden Torrsionskräfte, ist das Lenkkopflager nicht ausgelegt.

Dem aufmerksamen Betrachter der Bilder ist vielleicht aufgefallen, dass ich die Vorderradklemme recht weit vorne montiert habe. Die "Albe Berndes"-Zugkugel-kupplung ist für 75 kg Stützlast ausgelegt, die zu Gunsten der Fahrstabilität auch möglichst ausgenutzt werden sollten.

 

Die Stützlastwaage auf dem linken Bild zeigt: Vorderradklemme ist richtig positioniert.

 

 

 

 

 

Beladen wird der Anhänger im angekoppelten Zustand. Unbeladen lässt er sich auch ohne Stützrad leicht rangieren.

 

Um allerdings im Bedarfsfalle beladen per Hand rangieren zu können, ist ein Stützrad unerlässlich.

Hier ist schön zu sehen, wie platzsparend der Trailer sich verwahren lässt. Wer die erforderliche lichte Höhe von 2,23 m nicht aufbieten kann, kann die Zugkugelkupplung demontieren (zwei Schrauben) und reduziert die benötigte Deckenhöhe auf 2,08 m. Allerdings sollte dann kein Stützrad montiert sein. Das würde dann doch fummelig aufwendig.

Nach der Auflistung der Vorteile unseres schicken Trailers, sollen seine "Macken" nicht verschwiegen werden:

  • Der prohibitive Einstandspreis
  • Der rostanfällige Rohrrahmen besitzt werksseitig keinerlei Innenkorrosions-schutz
  • Die Lackierung im Bereich der Leuchtenträger ist liderlich - und damit rostan-fällig - aufgebracht
  • Die Rückleuchtenträger besitzen zum hochkant-Lagern keine Gummipuffer. Achtung: Lackschäden!
  • Die 7-polige (in den Niederlanden durchaus gebräuchliche) Elektrik ist aus deutscher Sicht nicht "Stand der Technik" und die Steckverbinder zu den Rück- leuchten korrodieren schnell. Ich habe auf 13-polige Elektrik umgebaut und jetzt ist auch eine Rückfahrleuchte in Betrieb.
  • Die Hubmechanik der Achse kann durch Korrosion schwergängig werden. Machträglich Schmiernippel einzubringen, hat sich als nicht durchführbar heraus-gestellt.
  • Es gibt in der Größe 16,5X6,5-8 62J keine Reifen (Stand: 2015), die eine höhere Geschwindigkeitszulassung als 130 km/h besitzen. In Frankreich sind 130 km/h erlaubt... ich hätte gerne welche mit 150 - 160 km/h-Zulassung gekauft  :-))

Was bleibt als Fazit:

Unser schicker und teurer Trailer lässt sich absolut problemlos beladen, ist äußerst platz-sparend zu verwahren und läuft ohne jedes unangenehme Eigenleben auch bei hohen Tempi absolut unkritisch hinter unserem Zugfahrzeug (VW-Tiguan) her. Die Bodenplatte des Anhängers garantiert unfallfreie Ladevorgänge und schützt das Motorrad vor übermäßiger Verschmutzung beim Transport. Die Luftfederung sorgt für schonenden Motorradtransport.

Die Verarbeitung des tollen Grundkonzeptes könnte einstandspreisbezogen eine deutlich akkuratere Handschrift vertragen.

 

Um auf deutschen Autobahnen mit Tempo 100 km/h ziehen zu dürfen, muss das Zugfahrzeug allerdings ein gewichtiger "Brummer" sein (jedoch unter 3.500 kg zul. Gesamtmasse).

 

Formel für die 100 km/h-Erlaubnis:

 

Leermasse des ZgFz x 0,3 >= zulässige Gesamtmasse des beladenen Trailers.

 

Eine ST1300 (330 kg + 20 kg Ausrüstung [Koffer Pan, Reserverad Anhänger, Zurr- material]) zuzüglich 150 kg Leermasse des Trailers, ergeben 500 kg. Das unbeladene ZgFz muss dann mindestens 1.670 kg auf die Waage stellen.

 

Ferner

  • muss das ZgFz über ABS verfügen,
  • die zul. Gesamtmasse des Anhängers darf die zul. Anhängelast für ungbremste Anhänger des ZgFz nicht übersteigen,
  • die Bereifung des Trailers darf maximal 6 Jahre alt sein und
  • die Reifen sind für mindestens 120 km/h zugelassen.

 

 

Unter´m Strich: Ich liebe diesen Trailer!

 

Und sicher ist: Er sorgt überall für wohlwollende und interessierte Neugier  :-))

 

 

 

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